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Land-Degradation im Alentejo

Authors: Pillichshammer, Dolores;

Land-Degradation im Alentejo

Abstract

Ausgegangen wurde von der Forschungsfrage, inwiefern Land‐Degradation im Alentejo mit den Korkwäldern und der Korkproduktion in Zusammenhang steht. Untersucht wurde dieser Aspekt unter besonderer Betrachtung durch unterschiedliche Nutzungsintensitäten. Generell unterscheiden sich zwei Management‐ Systeme innerhalb der Korkproduktion: Ein weniger arbeitsintensives Monokultursystem mit hoher Baumdichte „Sobreiral“ und ein multifunktionales traditionelles Landwirtschaftssystem „Montado“. Da sich eine Transformation vom Montado zum Sobreiral verzeichnet und der Montado sich als wesentlich nutzungsintensiver darstellt, wurden drei Untersuchungsfelder innerhalb der Montados im Nord‐ und Süd‐ Alentejo gewählt. Als Methoden, um diesem Forschungsschwerpunkt nachzugehen, erwiesen sich, in Kombination zu den Feldstudien, offene Interviews (zweisprachig) am vorteilhaftesten. Die Unterschungsfelder wurden auf eine Fläche von 25 x 25 m bemessen und auf drei Komponenten in der Nutzungsintensität der Land‐, Forst‐ und Viehwirtschaft untersucht. Die Ergebnisse beruhen auf Bemessungsgrundlagen und Schätzungen der Bäume zu ihrem Gesundheitszustand, der Pflanzenvielfalt und Dichtheit des Unterwuchses, sowie der Nutztierhaltung. Zur Feldstudie Nr. 1 und 2 wurden Interviews mit den Grundbesitzern zu früheren und aktuellen Bewirtschaftung der Montados durchgeführt. Im Vergleich der empirischen Erkenntnisse aller drei Untersuchungsgebiete würde ich das (erste) im Norden des Alentejos, als am nachhaltigsten bewirtschaftet identifizieren. Die Nutzungsintensität in der Viehhaltung entspricht den Anhaltswerten und der Montado hat ausreichend Kapazität für Feldkulturen. Hinzu verzeichnet sich ein steigender qualitativer und quantitativer Ertrag der Korkeichen. Das zweite Untersuchungsgebiet ist eine Korkeichen‐Pflanzung und wird auch in den Folgejahren nur aus Sicht der forstwirtschaftlichen Komponente genutzt. Der Gesundheitszustand dieses Montados ist meiner Einschätzung nach fragwürdig und auch künftig gefährdet. Der Grund liegt in der bedrohenden Ameisenplage, der Baumkulturzerstörung durch Wildschweine und einem weit verbreiteten Pilzbefall in dieser Region, sowie der Bodenqualität, welche sich in der Bewirtschaftungskapazität für diverse Kultivierungen in den letzten Dekaden halbiert hat. Zur Auswertung des dritten Untersuchungsgebietes ist die Bestimmung des Gesundheitszustandes die schwierigste, da der Montado bereits aufgegeben wurde. Der Unterwuchs zeigt sich im Vergleich zu den anderen Studien am artenreichsten, jedoch stellt er durch seine Dichte eine hohe Brandgefahr dar. Die Korkeichen sind sehr stark durch Pilzbefall gezeichnet und nicht mehr ertragreich. Als degradiert würde ich dieses Untersuchungsgebiet nicht bezeichnen, jedoch könnte es sich auf ein Anfangsstadium von Land‐Degradation belaufen. 64 Nach Angabe von Teresa Pinto, einer Landschaftsökologin an der Universität von Évora, ist Land‐ Degradation eine indirekte Ursache am Sterben der Montados. Ein großer Einschnitt und Ursachenfaktor war die Getreidekampagne „Campanha de trigo“ in den 80er Jahren und die damit großflächig verbundene Rodung der Montados. Derart großflächige Landschaftstransformationen sind im Inner‐ und südlichen Alentejo „Baixo Alentejo“ zu finden. Land‐Degradation gefährdet heute nicht generell das Überleben der Montados. Geografisch lokalisiert unterliegen speziell die im „Baixo Alentejo“ situierten Montados der Degradations‐Problematik. Joaquim Lima (Generaldirektor der Korkgemeinschaft) bestätigt meine Schlussfolgerung, dass das multifunktionale Wirtschaftssystem eines Korkeichen‐Montados an sich eine Methode zum Schutz und zur Bekämpfung von Land‐Degradation ist. Erst das Aufgeben der Instandhaltung resultiert in Verwilderung der Pflanzendecke, und einer Kombination mit diversen Umwelteinflüssen wie z.B. Brände, Dürre, Plagen, Krankheiten, etc., in Degradation. Ein wichtiger Aspekt meiner Ansicht und denen der ExpertInnen nach ist die Wartung der Montados durch ausgebildete Fachkräfte, welche den Montado regelmäßig reinigen und die Baumpflege vornehmen. Laut Aussagen der Grundbesitzer fehlt es nicht an finanzieller Förderung für Neuinstallationen von Montados, sondern an Unterstützung für die Instandhaltung. Das Beispiel von António Varela zeigt klar, mit welchen Schwierigkeiten er konfrontiert ist. In den ersten Jahren der Neubepflanzung des 130ha Montados musste er 46% der Jungeichen durch Verlust wiederaufforsten. Hinzu kommt eine weitere Herausforderung, der Mangel an Arbeitskraft, welchen auch der Grundbesitzer João Carlos bestätigt. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll Maßnahmen zur Förderung von Neuinstallationen der Montados langfristig gesehen sind, wenn es zum Erhalt keine Unterstützung von Seite der Regierung gibt. Im Endeffekt könnte das nur ein Hinauszögern des Degradationsprozesses sein, falls, wie z.B. im Fall von António Varela, sein Sohn aus nächster Generation kein Interesse zeigt, das wenig rentable Montado‐Management zu übernehmen. Relativ konträr stehen sich die beiden Ansichten der Landschaftsökologin Teresa Pinto und des Generaldirektors der Korkgemeinschaft Joaquim Lima in Bezug auf die Wertung eines Montados gegenüber. So ist der Montado aus Sicht von Teresa Pinto ein wirtschaftlich erfolgreiches, durchaus noch überlebensfähiges Managementsystem, jedoch von Joaquim Lima eher als ökologisch als wirtschaftlich erfolgreich bewertetes System bewertet. Abschließend kann die Erkenntnis, welche aus dem Forschungsprozess gewonnen wurde, so formuliert werden: Um das Überleben der Korkeiche in den Korkwäldern des Alentejo zu sichern und einen wirtschaftlichen Mehrwert daraus zu schaffen, bedarf es einer Rettung und Förderung der bestehenden Montados. So ist auch gleichermaßen der Schutz und das Entgegenwirken von Land‐Degradation gegeben. Abgesehen von der Bewirtschaftung unterschiedlicher Landnutzungsintensitäten und die damit in 65 Zusammenhang stehende Land‐Degradation, würde sich die Landschaft des Alentejo ohne menschliches Einwirken wahrscheinlich über 100‐150 Jahre hinweg von selber erholen. Der Alentejo gilt als eine mediterrane Feuerlandschaft, was auch die natürliche Rindenstärke der Korkeiche erklärt. Diese dient zum Schutz vor Bränden und sichert der Eiche somit das Überleben. Würde nicht von vornherein auf den wirtschaftlichen Mehrwert gezielt und der Korkeiche die Rinde entnommen, so wäre auch ein unbewirtschafteter verwilderter Montado keine Gefahr für ihr Überleben.

The main question of the thesis is how far land‐degradation in Alentejo affects the cork forests and the cork production. The research relies on interviews and field studies examining diverse land‐use‐intensities in the presence and past. Presently, there are two different approaches managing the cork production – a less labor intensive monoculture (“Sobreiral”) and the traditional multifunctional agriculture (“Montado”). The focus of this research takes a closer look at three spots within the “Montado” located in the rural are of the Alentejo. The results of the research are based on measurements and estimations of the health state of the trees, plant diversity, scrub tightness and life stock breeding. To answer the main question of the thesis it can be said, that land‐degradation is an indirect cause deceasing the cork forests. The ultimate root cause that triggered land‐degradation in Alentejo was wheat champagne “Campanha do trigo” in the 80’s. Nowadays land‐degradation does not generally endanger the survival of the cork forests. A multifunctional economic system with all types of land‐use like agriculture, forestry and life stock farming are proven methods to protect and control land‐degradation. Abandoning the multifunctional economic system results in wild ground cover and together with environmental influences like fires, drought, sickness, etc, accelerates land‐degradation. A landowner stated clearly that it does not lack on financial support from the government to plant new cork forests, but it lacks support for agricultural preservation. To ensure the survival of the cork forests and establish an economic benefit, the “Montados” require both – preservation and stimulation.

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