
doi: 10.2307/901587
Der Begriff Musikanalyse hat zwei verschiedene Aspekte. Einerseits versteht man darunter einen Zweig musikwissenschaftlicher Forschung, der objektive Sachverhalte, Regeln und Gesetze der Musik erfaBt und beschreibt, anderseits die mehr subjektive Musikausdeutung, die eine Brticke zwischen Spieler und Hdrer herstellen mdchte. Die Analyse als Wissenschaft erhebt den Anspruch, zweckfrei, allgemeingilltig und objektiv zu sein; dagegen soll die Interpretation (worunter hier nicht die gestaltende Darbietung von Musik durch den Kiinstler gemeint sein soll) den musikalischen Vorgang so erlautern, daB jeder einzelne flir sich selbst einen Gewinn davontrigt. Zwei Aufgaben also, die sich diametral gegentiberstehen. Die scheinbaren Gegensitze 16sen sich, wenn man die beiden Bereiche in die richtige Reihenfolge bringt. Die geforderte Zweckfreiheit der Wissenschaft schlieBt nicht aus, daB ihre Forschungsergebnisse dem Einzelnen dienstbar gemacht werden, und die angestrebte Allgemeingiiltigkeit und Objektivitat sind wiederum Bedingungen daftir, daB jedermann zu jeder Zeit mit denselben Methoden zu denselben Ergebnissen kommen kann. Daher ist die wissenschaftliche Basis Voraussetzung ftir jede Interpretation, wenn sie nicht unglaubwtirdig werden soll. Wie ist aber diese Forderung mit dem Wesen des sKunstwerks< vereinbar? Es ist ja gerade die Einmaligkeit und Unvergleichbarkeit, die ein Kunstwerk von der Konstruktion unterscheidet. Ebenso ist aber
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