
doi: 10.1007/pl00003739
Das therapeutische Prinzip der Anbohrung des Nekroseareals bei der idiopathischen Osteonekrose (ON) des Huftkopfes wurde von Ficat u. Arlet 1962 im Rahmen der diagnostischen „functional exploration of bone“ entwickelt. Als Wirkmechanismus wird die Reduktion des intraossaren Druckes durch Eroffnung des knochernen Kompartments angesehen. Inwieweit eine Revaskularisierung und eine Revitalisierung durch die Markraumdekompression erfolgen kann, ist nicht eindeutig geklart. Die Markraumdekompression stellt ein weit verbreitetes aber umstrittenes Verfahren zur Behandlung der ON dar. Nach ersten positiven Studien uber die mittel- und langfristige Wirksamkeit der Methode erschienen Arbeiten, die die Methode als risikoreich und unwirksam beurteilten. Eine Analyse aller verfugbaren Studien zeigt, dass der therapeutische Effekt in erster Linie vom Ausgangsstadium der ON abhangt. Die Prognose wird dabei durch die Ausdehnung und die Lage des nekrotischen Areals, durch das Vorhandensein und das Ausmas einer subchondralen Fraktur und durch weiterbestehende Risikofaktoren – in erster Linie Kortikoidmedikation – bestimmt. Die beste Prognose kann fur Patienten mit kleiner, medial-zentral gelegener Nekrose ohne Gelenkflacheneinbruch gestellt werden. Zur exakten Stadieneinteilung ist die klassische Einteilung nach Ficat nicht mehr ausreichend, da Grose und Lage der Nekrose dabei nicht beurteilt werden. Aufgrund der schlechten Sensitivitat und Spezifitat der rontgenologischen Diagnostik – insbesondere in den Fruhstadien der ON – hat sich die Magnetresonanztomographie (MRT) als Diagnostikum der Wahl etabliert und wurde als wesentlicher Bestandteil in die neue Klassifikation der „Association Internationale de Recherche sur la Circulation Osseuse“ (ARCO) integriert. Aufgrund der vorhandenen Literatur und unserer eigenen Erfahrungen kann die Markraumdekompression bei der ON im „reversiblen Fruhstadium“ (ARCO 1), sowie in Fallen des „irreversiblen Fruhstadiums“ (ARCO 2) mit medial oder zentral gelegener Nekrose mit einer Ausdehnung < 30 % empfohlen werden. Eine Restitutio ad integrum ist durch die Markraumdekompression ab dem irreversiblen Fruhstadium nicht mehr zu erwarten, wohl aber eine Schmerzreduktion und eine Verlangsamung des Spontanverlaufes mit Zeitgewinn bis zur Implantation einer Endoprothese.
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