
doi: 10.1007/bf00577631
Es wird uber eine Methylchloridvergiftung durch Einatmung bei einem 33jahrigen Manne berichtet, bei welcher es nicht nur zu einem schweren akut-subakuten Intoxikationszustand unter langer anhaltender Bewustlosigkeit und anschliesendem mehrtagigen deliranten Verwirrtheitszustand mit psychomotorischer Unruhe neben Erbrechen, Schwindel und Sprachstorungen kam, sondern zu einer erheblichen Dauerschadigung. Diese war wesentlich durch hirnorganische Personlichkeitsveranderungen und Hirnleistungsschwache sowie durch eine chronisch verlaufende depressive Verstimmung gekennzeichnet; unter letzterer kam es 2 1/2 Jahre nach der akuten Vergiftung zu einem erfolgreichen Suicid mit Leuchtgas. Die pathologisch-anatomische und speziell auch neuropathologische Untersuchung lies eindeutige Gewebsschaden an Gehirn, Schilddruse und Hoden erkennen. Am Zentralnervensystem zentrierten sich die Gewebsveranderungen vornehmlich um die Gefasgewebsschranke; hyalinofibrotische Wandverdickungen, vornehmlich in den auseren, aber auch Mediaschichten, perivasale freiliegende und zellgebundene Pigment-Lipofuscin- und Fettablagerangen sowie perivasale Desintegrationen und fleckformige Astrocytenwucherungen kennzeichneten das Bild. Seltenere lymphocytare Gefasinfiltrate waren als sekundar-symptomatisch aufzufassen; auserdem fand sich im Ammonshorn eine altere herdformige Gliazellwucherung. Die genannten Auffalligkeiten durften als das Substrat der klinisch beobachteten Symptome im Sinne eines diffusen Dauerschadens am Zentralnervensystem (Methylchlorid-Encephalopathie) aufzufassen sein. Daneben aber durften die auffallenden Vermehrungen und Sklerosierungen des interstitiellen Schilddrusenbindegewebes mit regressiv-progressiven Veranderungen am Epithel und die beginnende primare Hodenatrophie mit Vermehrung der Leydigschen Zwischenzellen moglicherweise ebenfalls mit der Methylchloridvergiftung in pathogenetischem Zusammenhang stehen. Soweit aus dem einschlagigen Schrifttum ersichtlich, sind derartige Residuen und Dauerschaden im Falle von Defektheilung nach schwerer akuter Methylchloridvergiftung noch nicht beobachtet worden. Unabhangig hiervon liesen sich frische Veranderungen am Zentralnervensystem in typischer Form auf Grund der letalen Kohlenoxydvergiftung erfassen.
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