
Diese 19-seitige tiefenpsychologische und kulturphilosophische Untersuchung widmet sich dem menschlichen Umgang mit der eigenen Endlichkeit und der weitverbreiteten Illusion materieller Beständigkeit. Am Beispiel zweier historischer bzw. biografischer Fallstudien von Hausbesitzern – der langjährigen Salzburger Kaffeehaus-Mitarbeiterin Aurelia Lüftner (1931–2024) und des russischen Literatur-Grafen Leo Tolstoi (1828–1910) – wird analysiert, wie Immobilienbesitz als unbewusstes „Selbstobjekt“ und Schutzwall zur Verdrängung der Sterblichkeit genutzt wird. Demgegenüber stellt die Arbeit die psychologische Struktur von besitzlosen Menschen (Mietern) und schöpferisch-kreativen Individuen, die durch biografische Mobilität und geistige Sublimierung ein elastischeres, hyper-waches Vergänglichkeitsbewusstsein entwickeln. Die empirische Relevanz dieser kollektiven Verdrängungsdynamik wird anhand aktueller statistischer Daten untermauert: Über 80 Prozent der Bevölkerung (und mehr als 70 Prozent der Immobilieneigentümer) schieben das Verfassen eines Testaments bis zum biologischen oder somatischen Kollaps auf.
