
Die Universitätsbibliothek Frankfurt am Main verfügt über eine vielschichtige und institutionell gewachsene Zettelkatalogüberlieferung, die von handschriftlichen Katalogen der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu maschinenschriftlichen Systemen der 1980er Jahre reicht. Diese Kataloge sind das Ergebnis komplexer Entwicklungen, Fusionen von Vorgängerbibliotheken, wechselnder Organisationsformen, Bestandszuwächsen und technischer Übergangsphasen. Heute liegen sie in sehr unterschiedlichen Erhaltungs- und Dokumentationszuständen vor: vollständig, fragmentarisch, digitalisiert, mikroverfilmt oder teilweise makuliert. Der Vortrag stellt zunächst diese institutionelle Entwicklung und die daraus resultierende Katalogvielfalt vor. Thematisiert wird, wie Entscheidungen zu Digitalisierung, Makulierung oder Erhaltung einzelner Kataloge sowie der fortschreitende Verlust von Erfahrungswissen unter Mitarbeitenden und Nutzenden die Deutbarkeit und Nutzbarkeit der Bestände beeinflussen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welcher informationelle Wert in den Originalzetteln liegt und wie sich dieser von dem Informationsgehalt von Reproduktionen oder einer nur rudimentären Übernahme der Daten unterscheidet. Zwei Beispiele aus der Frankfurter Überlieferung illustrieren dieses Potenzial: zum einen der Informationsverlust durch frühe Verfilmung und die damit verbundene Auflösung der ursprünglichen Ordnung; zum anderen der Wert von Informationsschichten, die nur als Makulatur erhalten sind, weil ihre Rückseiten zweitgenutzt wurden und die aufgrund einer fehlenden Überlieferung amtlicher Verwaltungsakten eine überraschend hohe Quellenrelevanz besitzen. Beide Beispiele verdeutlichen, wie leicht bedeutende Informationen unbemerkt verloren gehen und wie wichtig eine differenzierte Bewertung der Originalkataloge ist. Ziel des Beitrags ist es, Kriterien zur Einschätzung und Priorisierung historischer Zettelkataloge zu diskutieren und am Beispiel der UB Frankfurt Wege aufzuzeigen, wie der besondere Informationswert dieser Überlieferung gesichert, vermittelt und künftig nutzbar gemacht werden kann. Damit leistet der Vortrag einen Beitrag zur Debatte über Erhalt, Dokumentation und die Rolle historischer Zettelkataloge in heutigen Bibliotheksinfrastrukturen.
Der Beitrag enthält die Folien und das Transkript des Vortrags, welcher zum Symposium "Zettelkataloge. Unantastbares Kulturgut, aktiver Forschungsgegenstand oder substituierbares historisches Arbeitsmittel?" am 02.02.2026 an der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz gehalten wurde. Das Transkript kann leicht abgewandelt vom gehaltenen Vortrag sein.
Zettelkataloge
Zettelkataloge
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