
Mit der Verabschiedung der Verordnung (EU) 2024/1689 („AI Act“) hat der europäische Gesetzgeber erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen für den risikoadäquaten Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) geschaffen. Neben technisch-organisatorischen Vorgaben enthält die Verordnung in Art. 4 eine explizite Verpflichtung zur Sicherstellung eines hinreichenden Maßes an KI-Kompetenz bei den an Entwicklung, Betrieb und Nutzung von KI-Systemen beteiligten Akteur*innen. Die Verpflichtung adressiert Anbieter und Betreiber entsprechender Systeme und ist „nach besten Kräften“ zu erfüllen. Das vorliegende Whitepaper nimmt eine systematische Analyse und praxisorientierte Operationalisierung der durch Art. 4 AI Act normierten Kompetenzanforderungen vor. Ziel ist es, insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine Orientierungshilfe zur strukturierten Umsetzung der regulatorischen Vorgaben an die Hand zu geben. Hierzu werden die juristischen Grundlagen dezidiert aufgearbeitet und in ein integriertes Kompetenzmodell überführt, das zwischen individuellen (Mikro-) und organisationa-len (Makro-) Dimensionen unterscheidet. Im Mittelpunkt steht ein zweistufiges Vorgehensmodell zur Ermittlung und Entwicklung von KI-Kompetenzen: Eine Bottom-up-Analyse individueller Fähigkeiten wird systematisch mit einem Top-down-Abgleich organisationaler Anforderungen kombiniert. Ergänzend wird ein morphologischer Kasten zur Klassifikation KI-relevanter Rollenprofile eingeführt, der eine strukturierte Zuordnung von Kompetenzbedarfen und Maßnahmen ermöglicht. Das Whitepaper leistet somit einen Beitrag zur normativen, methodischen und praktischen Fundierung der durch Art. 4 AI Act begründeten Verpflichtung zur Kompetenzsicherung im Bereich KI. Es versteht sich als Handreichung für unternehmerische und öffentliche Akteure, die den regulatorischen Anforderungen nicht nur genügen, sondern diese in eine strategisch fundierte Kompetenzentwicklung überführen möchten.
KI-Kompetenz, EU AI Act
KI-Kompetenz, EU AI Act
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