
Hintergrund: Die Kommunikation zwischen Ärzt*innen und Patient*innen ist ein zentraler Bestandteil einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung. Menschen mit kognitiven und/oder sprachlichen Beeinträchtigungen (MmksB) haben in dieser Interaktion häufig besondere Bedarfe. Sie benötigen beispielsweise angepasste Kommunikationsstrategien, Unterstützte Kommunikation sowie mehr Gesprächszeit als Menschen ohne Beeinträchtigung. Eine mögliche Unterstützung können sogenannte Dritte wie Angehörige, Betreuungspersonen oder Assistenzkräfte bieten. Zielsetzung: Ziel der Studie ist es, die Potenziale und Herausforderungen zu untersuchen, die sich durch die Einbindung Dritter in die Kommunikation zwischen Ärzt*innen und MmksB ergeben. Im Fokus steht die Forschungsfrage: Wie beeinflusst die Anwesenheit Dritter die Kommunikation zwischen Ärzt*innen und MmksB? Die Identifikation von hinderlichen sowie förderlichen Faktoren soll dazu beitragen, Empfehlungen für eine patient*innenzentrierte Kommunikation zu entwickeln. Methode: Es wurden 10 Expert*inneninterviews (12/22 bis 02/23) mit Ärzt*innen und Sprachwissenschaftler*innen sowie -therapeut*innen und 19 leitfadengestützte Interviews mit MmksB (06/23 bis 01/24) durchgeführt. Die Daten wurden transkribiert, pseudonymisiert und anschließend mittels inhaltlich strukturierender Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet. Der Fokus lag auf der Identifikation zentraler Herausforderungen sowie der Funktionen, die Dritte in der triadischen Gesprächsführung einnehmen. Ergebnisse: Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass Dritte sowohl für MmksB als auch für Ärzt*innen eine wertvolle Unterstützung, aber auch eine potenzielle Herausforderung in der Kommunikation darstellen. Sie übernehmen häufig Aufgaben wie das Vermitteln von Informationen, das Erinnern an medizinisch relevante Aspekte – beispielsweise an die Medikamenteneinnahme, das Dolmetschen bei sprachlichen Verständigungsproblemen sowie die Unterstützung bei Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig können Dritte die Kommunikation erschweren, wenn sie den Gesprächsanteil dominieren, entgegen den Erwartungen der Patient*innen handeln oder Krankheitssymptome (unabsichtlich) fehlerhaft wiedergeben. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine strukturierte und von den Ärzt*innen reflektierte Einbindung Dritter entscheidend für eine gelungene Ärzt*innen-Patient*innen-Kommunikation ist. Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: In der Versorgungsforschung sind weitere Studien notwendig, um die langfristigen Auswirkungen der Einbindung von Begleitpersonen auf die Partizipation und die medizinische Entscheidungsfindung von MmksB zu untersuchen. Für die Praxis ergibt sich die Notwendigkeit, Leitlinien zu entwickeln, die Ärzt*innen in der triadischen Gesprächsführung unterstützen. Zudem sollten strukturelle Anpassungen im Gesundheitswesen – wie beispielsweise zeitliche Ressourcen oder Schulungen zur Einbindung Dritter – dazu beitragen, die Rolle von Begleitpersonen bewusster zu gestalten und patient*innenzentrierte Kommunikationsstrategien nachhaltig zu stärken.
triadische Kommunikation, kognitive Beeinträchtigung, Arzt-Patienten-Kommunikation, Menschen mit Behinderung, sprachliche Beeinträchtigung
triadische Kommunikation, kognitive Beeinträchtigung, Arzt-Patienten-Kommunikation, Menschen mit Behinderung, sprachliche Beeinträchtigung
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