
doi: 10.48693/829
Um den gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen im Gesundheitswesen Rechnung zu tragen, wird die interprofessionelle Zusammenarbeit (IPCP) gefordert. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit interprofessionelle Kompetenzen im Rahmen von interprofessioneller Ausbildung (IPE) bei Fachkräften im Gesundheitswesen anzubahnen. Die Entwicklung von Kompetenzen in Bildungssettings ist in hohem Maße von der aktiven Rolle der Lehrpersonen geprägt. Die Überzeugungen dieser Lehrenden (engl. teacher beliefs) hinsichtlich des Lehrens und Lernens stellen eine maßgebliche Einflussgröße auf das pädagogische Handeln dar. Sie beeinflussen didaktische Entscheidungen und haben somit direkte Auswirkungen auf den Lernerfolg der Lernenden. Zu den Überzeugungen von Hochschullehrenden in Bezug auf IPE existieren in Deutschland bislang nur wenige empirische Untersuchungen. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Dissertation darauf ab, Einblicke in die Überzeugungen von Hochschullehrenden bzgl. der IPE zu gewinnen. Im Rahmen dieses Erkenntnisinteresses ergibt sich die zentrale Forschungsfrage: Welche Überzeugungen zur interprofessionellen Ausbildung (IPE) lassen sich bei Hochschullehrenden in gesundheitsbezogenen Studiengängen identifizieren? Dem wissenschaftlichen Bezugsrahmen ist zu entnehmen, dass die didaktisch-pädagogischen Entscheidungsgrundlagen bei der Gestaltung von IPE durch Hochschullehrende bislang unzureichend beleuchtet worden sind. Zudem ist wenig darüber bekannt, wie Hochschullehrende IPE im Allgemeinen verstehen und welche Kompetenzanforderungen sie im Zuge der IPE bei sich wahrnehmen. Um diesen Forschungslücken zu begegnen, wurden drei spezifische Schwerpunkte für die zentrale Forschungsfrage festgelegt, auf deren Grundlage die identifizierten Überzeugungen betrachtet wurden: 1) Was verstehen Hochschullehrende unter interprofessioneller Ausbildung (IPE) in gesundheitsbezogenen Studiengängen? 2) Wie erleben Hochschullehrende die interprofessionelle Ausbildung (IPE) in gesundheitsbezogenen Studiengängen? 3) Wie ist aus Sicht der Hochschullehrenden interprofessionelle Ausbildung (IPE) zu gestalten? Zur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden 16 qualitative, halbstrukturierte Interviews mit Hochschullehrenden durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Erhebung interprofessionelle Bildungsangebote in gesundheitsbezogenen Studiengängen in Deutschland durchgeführt haben. Die erhobenen Daten wurden systematisch mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet. Die Ergebnisse bezüglich der Lehrerüberzeugungen zum Verständnis von IPE zeigen, dass unterschiedliche Auffassungen darüber existieren, wie IPE definiert werden sollte und welche Bildungsformate als interprofessionell gelten. Ungeachtet dieser Unterschiede lassen sich übergreifende Merkmale von IPE, wie das Lernen voneinander, miteinander und übereinander sowie der interprofessionelle Austausch, identifizieren. Zudem herrscht unter den Hochschullehrenden Einigkeit über die Zielsetzung von IPE: die Lernenden zu IPCP befähigen, um dadurch die Patient:innenversorgung zu verbessern. Die Ergebnisse hinsichtlich der Lehrerüberzeugungen zum Erleben von IPE verdeutlichen sowohl Herausforderungen als auch Chancen im Rahmen von IPE. Dabei zeigt sich insgesamt die Überzeugung, dass IPE notwendig ist und in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe integriert werden sollte. In Bezug auf die Gestaltung von IPE konnten in den Untersuchungsergebnissen vielfältige Überzeugungen identifiziert werden, die von der curricularen Struktur bis hin zur konkreten Ausgestaltung einzelner interprofessioneller Bildungsangebote reichen. Zudem fanden sich Lehrerüberzeugungen zu didaktischen Besonderheiten interprofessioneller Lehr-/Lernangebote und die damit verbundenen (Rollen-)Anforderungen für IPE-Lehrende. Die Ergebnisse stützen bestehende internationale Befunde der interprofessionellen Ausbildungsforschung und erweitern diese um nationale Erkenntnisse zu den Überzeugungen von Hochschullehrenden hinsichtlich des Verständnisses, Erlebens und der Gestaltung von IPE. Darüber hinaus verdeutlichen die Ergebnisse die Relevanz von Faculty Development (FD), um Lehrende in der IPE bei ihrer Kompetenzentwicklung zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, in der interprofessionellen Ausbildungsforschung Überzeugungen weiter zu berücksichtigen, um die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit mit einer größeren Stichprobe und in unterschiedlichen Kontexten zu vertiefen.
IPE, 81.05 - Bildungsforschung, Lehrerüberzeugungen, 81.80 - Hochschulen, Fachhochschulen, Interprofessionelle Ausbildung, Hochschullehrende, Interprofessional Education, 370 - Bildung und Erziehung, 81.61 - Didaktik, Hochschuldidaktik, gesundheitsbezogene Studiengänge, Teacher Beliefs
IPE, 81.05 - Bildungsforschung, Lehrerüberzeugungen, 81.80 - Hochschulen, Fachhochschulen, Interprofessionelle Ausbildung, Hochschullehrende, Interprofessional Education, 370 - Bildung und Erziehung, 81.61 - Didaktik, Hochschuldidaktik, gesundheitsbezogene Studiengänge, Teacher Beliefs
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