
doi: 10.3726/b19736
Grimmelshausens Grandezza besteht zweifellos darin, als Erster den Großen Krieg der frühen Neuzeit kritisch thematisiert zu haben, ohne die Anbeter von Mars als Helden zu ehren. Stattdessen beschreibt der Autor vielmehr deren Schwächen und Böswilligkeiten, ihre Fehler und Verbrechen. Darüber hinaus konstituieren sein Werk eine pars destruens, welche gegen die idola seiner Zeitgenossen vorgeht, und eine pars construens, welche von der Welt und den Menschen zugleich erklärend und unterhaltend erzählt. Absolut neu ist bei Grimmelshausen, dass beide Seiten der Erkenntnis – die pars destruens und die pars construens – in allen seinen Figuren zugleich vertreten sind, denn er hält nichts von einer Welt im langjährigen Krieg, welche Soldaten und Bürger in Gute und Böse aufteilt, weil sie, alle, in den Schatten des Kriegsmonstrums eines Tages volens oder nolens hineinfielen oder hineingeboren wurden, dort aufwuchsen und mit physischen oder psychischen Narben überlebten, wenn sie nicht vorher auf dem Schlachtfeld fielen. Grimmelshausens großartige Prosa gegen den Krieg und gegen das magische Alltagsdenken seiner Zeitgenossen bietet keine Titelhelden als Identifikationsfiguren an. Sein Erzähltalent provoziert bis heute nicht nur professionelle Interpreten. Zur 400. Wiederkehr von Grimmelshausens Geburtsjahr dokumentiert der Band diese andauernde Lebendigkeit des Barockautors, indem er sowohl Germanisten als auch Leserinnen und Leser unterschiedlicher Altersstufen und beruflicher Provenienz aus Deutschland, Italien und den USA zu Wort kommen lässt.
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