
doi: 10.34780/4y6d-t6d3
Die unfertig stehende Säule des Apollontempels von Didyma und ihr »so phantastisches flaschenfömiges« Schaftprofil (Knackfuß, 1941) bilden den Kernpunkt dieser Studie. Fast 20 m hoch zog die Säule durch die antiken Durchmesser-Notationen ihrer Trommeln bereits Ende des 19. Jhs. wissenschaftliche Aufmerksamkeit an. Ihr befremdlich konkaves Schaftprofil ließ es allerdings zunehmend zweifelhaft erscheinen, ob sie sich überhaupt in korrekter Form hätte fertigstellen lassen. Tatsächlich bestätigt die neue Dokumentation der Schaftdurchmesser wie auch der bis auf 1/32 Fuß genauen Durchmesserangaben, dass die Säule nicht einmal mit geradlinigem Schaftumriss fertigzustellen gewesen wäre – nicht zu reden von der Schwellung einer ›Entasis‹, deren Werkplanung uns ein ingeniöser Bauriss dieses Tempels überliefert. Die Säule steht nun als Dokument eines bereits in der Planung fehlgegangenen Bauprojekts der didymeischen Tempelbauhütte. Fast ein ganzer jährlicher Bauetat von umgerechnet knapp 4 Millionen Euro wurde vor aller Augen verschleudert. Der Grund für diese Fehlplanung bleibt unerklärlich.
Archäologischer Anzeiger, 1. Halbband 2023
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