
Dass es sich beim Stephansdom um ein Nationalheiligtum Österreichs handelt ist vielfach bewiesen. Die Entstehungszeit dieser Vorstellung der Kirche als Symbol für die Republik liegt unmittelbar nach der Brandkatastrophe im Jahr 1945. Im Zuge des Wiederaufbaus und der damit einher gehenden Spendenaktion wird in den Medienberichten relativ einhellig über den Dom berichtet. Diese Arbeit veranschaulicht mithilfe der Methode der Metaphernanalyse erstmals, mit welchen Sprachbildern dieser Prozess einher geht. Dabei wird ein Rückgriff auf die Zeit vor dem Anschluss unternommen, da das Zeitungswesen in Österreich nach der nationalsozialistischen Pressekontrolle wieder an die Zeit des Dollfuss/ Schuschnigg- Regimes anschließt. Die Wiederaufnahme bestimmter Sprachbilder und ihre verstärkte Nutzung im Zuge des Wiederaufbaues lassen auf Sprach- und vor allem Denkkonstrukte der damaligen Leserschaft schließen, Kontinuitäten und Brüche zeigen Veränderungen in der Wahrnehmung auf. Diese Arbeit versucht also nicht die Tatsache zu beweisen, dass es sich beim Stephansdom um ein Nationalsymbol handelt, sondern zeigt mit einer bisher an der Marterie unversuchten Methodik das Entstehen eines kollektiven Sprachbildes.
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