
Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Kommunikationsmittel Brief nach 1945. Im Zentrum steht die Analyse von Privatbriefen aus einem Konvolut, das aus einer Vielzahl von Papieren besteht und stellt diese in den Kontext der biographischen Briefforschung. Anhand der ausgewählten Briefe wird der Frage nachgegangen wie sich Schreibpraxis und Beziehung sowie Konventionen in Briefen widerspiegeln. Einem historischen Überblick über die biographische Forschung und die Rolle von Briefen in der Geistes- und Kulturwissenschaft folgt ein detaillierter Abschnitt zur Briefforschung, der die historische Entwicklung des Briefes und des Briefschreibens schildert. Darüber hinaus werden Kriterien dargestellt, die bei der Bearbeitung, Auswertung und Analyse von Briefen zu beachten sind. Als Forschungslücke der bisherigen Briefforschung wird das Kuvert aufgedeckt und auf dessen Entwicklung sowie Bedeutung als erste Informationsquelle eingegangen. Der Zufallsfund wird als Forschungsquelle beschrieben und ausgewertet und zeigt dessen zeitlichen, räumlichen und sozialen Rahmen. Durch einen mikroanalytischen Zugang mittels der qualitativen Inhaltsanalyse erfolgt abschließend die Fallanalyse am Beispiel ausgewählter Briefe, die innerhalb eines Jahres verfasst wurden. Als Beitrag zur biographischen Briefforschung zeigt die Arbeit auf, dass durch Briefe nicht nur Beziehungen aufrecht erhaltet werden, sondern auch über Dritte neue entstehen, die vor allem durch die sprachliche Form sichtbar werden. Dabei stehen die Sprache, der Inhalt und die Beziehung der jeweiligen Briefpartner in einer Wechselwirkung zueinander, denn die Beziehung zum Empfänger entscheidet über den mitzuteilenden Inhalt und über den zu verwendenden Sprachstil.
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