
Der Autor stellt das Kommunikationsverhalten des ehemaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky sowie die gesellschafts- und medienpolitischen Begebenheiten hinsichtlich des Atomkraftwerks Zwentendorf in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Durch den Aufstieg der Bürgerinitiativen und durch das Bestreben einer jungen Generation nach mehr Partizipation, hat die Kommunikation zur Volksabstimmung rasch an Fahrt gewonnen. Auch die Medien haben den Wertewandel in der Gesellschaft erkannt und sich in den siebziger Jahren vermehrt dem Thema Atomkraft gewidmet. Theorie Als relevanter theoretischer Hintergrund für die vorliegende Arbeit dient die Medienwirkungsforschung, zu der auch das RAS-Konzept von Zaller zählt. Dabei handelt es sich um eine umfassende Theorie der Meinungsbildung. Das Konzept sagt aus, wie der Rezipient Aussagen aufnimmt, rezipiert und bei der Abfrage seiner Meinung diese Informationen zu Gedächtnis-Stichproben heranzieht, um eine Entscheidung zu treffen. Des Weiteren sind für die vorliegende Arbeit konsistenztheoretische Ansätze und die Überredungskommunikation nach Hovland entscheidend. Letzteres gibt Aufschluss darüber, wie eine Botschaft formuliert sein muss, damit sich das Verhalten und die Einstellung des Empfängers verändert. Im Sinne des gesellschaftlichen Wandels und der Demokratisierung wird in der vorliegenden Arbeit zudem auf die Begriffe Demokratietheorie und Partizipation eingegangen – Begriffe, zu der auch die Vorstellungen Rainer GEISSLERS passen, der sich mit der partizipatorisch-pluralistischen Demokratie beschäftigt hat. Ziel, Fragestellung, Hypothese Der Arbeit liegen folgende zwei Forschungsfragen zu Grunde: Welche Fehler, hinsichtlich der Kommunikation zum Thema Atomkraftwerk Zwentendorf, hat Kreisky vor der entscheidenden Volksabstimmung gemacht? Diese Forschungsfrage betrifft den Faktor Kommunikation. Welche medien- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen waren für das Scheitern Kreiskys bei der Volksabstimmung zum Bau des Atomkraftwerks in Zwentendorf ausschlaggebend? Bei dieser Forschungs-frage geht es um den Faktor Umwelt, also jenen Bereich, der wenn dann nur indirekt von Kreisky beeinflusst hätte werden können. Darüber hinaus hat es bei der Frage zum Faktor Kommunikation drei Subforschungsfragen gegeben. Diese lauten: Mit welchen Offensiv-Maßnahmen hat Kreisky versucht das Ergebnis der Volksabstimmung zu seinen Gunsten zu beeinflussen? Wie ist Kreisky mit den Medien umgegangen um seine Ziele dahingehend zu verfolgen? Wie hat Kreisky seine politische Niederlage in der Öffentlichkeit kommuniziert? Forschungsdesign Die Forschungsfragen sind qualitativ beantwortet worden. Erhebungsmethode war dabei das Leitfadeninterview, welches mit Experten durchgeführt wurde. Bei der Wahl der Experten ist darauf Bedacht genommen worden, dass die Teilnehmer des Konflikts entsprechend vertreten sind, das Spektrum des zu in Erfahrung bringenden also möglichst breit ist. Dieser Anspruch beinhaltet, dass sowohl eine Person aus dem Lager Kreiskys, als auch eine Person aus dem Lager der Atomgegnerschaft befragt wird. Da aber nicht nur eine Pro- und Contra-Seite einen Konflikt austragen, wird sowohl auf Expertenwissen aus dem historischen als auch aus dem Medienbereich Bedacht genommen. Für die anschließend erstellte Transkription ist als Auswertungsmethode die interpretativ-reduktive Analyse ausgewählt worden. Ergebnisse Obwohl von Seiten der Regierung versucht wurde, die Diskussion rund um die Atomkraft in Österreich zu versachlichen, waren letztlich die emotionalen Argumente entscheidend für das Abstimmungsergebnis. Kreisky hat also auf verlorenem Posten gekämpft, da die emotionalen Argumente – etwa das Argumente, Zwentendorf münde in einer Katastrophe, da das AKW auf einer Erdbebenlinie liege – bei den Bürgern wesentlich mehr Wirkung gezeigt haben als die rationalen. Exemplarisch dafür ist die Pro und Contra Regierungskampagne, die durchaus vorbildhaft auch den Atomgegnern Platz eingeräumt hat, die Argumente der Gegenseite allerdings stärker durchdringen hat lassen als die Argumente der Befürworter. Auch das intensive Bewerben der Pro-Argumente (Stromsicherung, Arbeitsplatzsicherung, Reduktion der Abhängigkeit vom Ausland,...) hat nicht gereicht um die Gegner zu überzeugen. Als entscheidend für das Nein bei der Volksabstimmung hat sich auch die fehlende Lösung der Endlagerung herausgestellt. Dieses Argument haben auch die Medien aufgegriffen, darunter vor allem die Vorarlberger Nachrichten. Die Zeitung des Ländles hat aufgrund des grenznahen AKW Rüthi in der Schweiz eine massive Anti-Atom-Kampagne gefahren, während die Kronen Zeitung erst relativ spät ihr grünes Herz entdeckt hat, dafür den Gegnern letztlich viel Platz eingeräumt hat. Zudem waren die recht undeutlich formulierten Aussagen Kreiskys, er wolle möglicherweise zurücktreten, wenn die Entscheidung gegen Zwentendorf ausgeht, für eine breite Zustimmung nicht förderlich, da es besonders ÖVP-Wähler davon abgehalten hat mit Ja zu stimmen. Viele haben nämlich mit der Zustimmung befürchtet auch ein Votum für Kreisky abzugeben. Die Genossen selbst sind hingegen oft daheim geblieben, weil sie nicht gegen Kreisky stimmen wollten oder sich als Stimmvieh missbraucht sahen. Darüber hinaus war der gesellschaftliche Wertewandel entscheidend. Nach der Erdölpreiskrise ist die Skepsis vor der Wohlstandsgesellschaft und der Technik gestiegen. Die rosarote Brille wurde abgelegt. Die Bürger haben sich ein Mehr an Partizipation und Beteiligung gewünscht. Ziel war es, die autoritäre Herrschaftsstruktur zu durchbrechen. Die Gründe, warum das AKW Zwentendorf abgelehnt worden ist, obwohl es der beliebteste Kanzler der zweiten Republik beworben hat, sind aber auch im Ausland zu finden, darunter etwa die Proteste in Brokdorf, Whyl und eben Rüthi. In Schweden ist außerdem – von Kreisky und der Bevölkerung nicht unbemerkt – Ministerpräsident Olof Palme bei der Wahl über die Atomkraft gestolpert.
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