
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Bedeutung des Raums in den Filmen THE ELEMENT OF CRIME, EPIDEMIC und EUROPA, der sogenannten Europatrilogie des dänischen Regisseurs und Drehbuchautors Lars von Trier. Hierzu wird zunächst der Begriff „Raum“ in seinen verschiedenen Abwandlungen definiert: Dies geschieht zunächst aus physikalischer Richtung. Dabei wird die Prägung unseres absoluten Raumverständnisses durch die Euklidische Geometrie und die Entwicklung dieses Verständnisses im Laufe der Jahrhunderte hin zu einem relationalen Raumverständnis dargestellt. Dem hinzugefügt wird die philosophische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Raum“, die den Raum vor allem im Verhältnis zum Menschen bzw. zum Subjekt thematisiert. Im Wesentlichen wird dabei auf Vorstellungen des Rationalismus und des Empirismus eingegangen: Während Raum und Zeit im Rationalismus als vorausgesetzte Größen existieren, die Erfahrungen erst ermöglichen, selbst aber nicht erfahrbar sind, gehen Vertreter des Empirismus von einer absolut wahrnehmungsgeprägten Entwicklung des Menschen aus, was die Raum- und Zeitwahrnehmung mit einschließt. Als Folge dieser empiristischen Überlegungen wird im folgenden Kapitel auf die sinnliche Raumwahrnehmung des Menschen eingegangen. Hierzu werden die Sinne des Menschen und ihre Gewichtung, also ihre Wahrnehmungsintensität aufgeführt. Es werden grundlegende biologische Unterschiede der einzelnen Sinne thematisiert, ebenso wie individuelle Unterschiede und Veränderungen der Wahrnehmung, z.B. durch Drogen oder psychische Krankheiten mit räumlichem Bezug. Letztlich wird aufgezeigt, dass die menschliche Raumwahrnehmung primär visuell und sekundär auditiv geprägt ist, wobei die eigene Person stets als Mittelpunkt eines absoluten Raums wahrgenommen wird. Im nächsten Kapitel wird der menschlich-soziale Raum beschrieben und dabei auf die Schaffung urbaner Lebensräume durch den Menschen und die damit einhergehende Raumwahrnehmung eingegangen. Dazu werden zunächst die biologischen Begriffe „Biotop“ und „Habitat“ eingeführt, um die Besonderheiten dieses speziellen Lebensraums aufzuzeigen. Zuletzt werden die Techniken der filmischen Raumgestaltung und die mentale Konstruktion eines homogenen Filmraums aufgezeigt. Dieser Prozess der Raumkonstruktion kann in die Prozessstufen „Architekturraum“, „Bildraum“ und den abschließenden „Filmraum“ eingeteilt werden. Dabei wird insbesondere auf die individuelle Leistung des Zuschauers beim finalen und entscheidenden Schritt der Filmraumkonstruktion eingegangen. Im nächsten Abschnitt der Arbeit werden die Filme der Europatrilogie behandelt. Bei der Untersuchung der einzelnen Filme wird weitestgehend identisch verfahren: In einem ersten Schritt wird zunächst der Inhalt ausführlich wiedergegeben, mit besonderer Berücksichtigung räumlich relevanter Handlungselemente. Anschließend wird die räumliche Gestaltung des Films in den Unterkapiteln „Seheindruck und Mise-en-scène“, „Ton“ und „Kameraarbeit und Montage“ beschrieben. In diesem Abschnitt wird versucht, die für den Zuschauer wesentlichen Elemente bei der Konstruktion des Filmraums in den jeweiligen Bereichen aufzuzeigen und ihre Wirkung zu beschreiben. Abschließend werden diese Elemente und ihre Wirkung im Kapitel „Verhältnis der Gestaltung zum Inhalt“ mit der Handlung in einen Kontext gesetzt. Ziel dieses Kapitels soll jeweils sein, die Motivation für bestimmte Darstellungsformen hinsichtlich einer moralischen, ästhetischen oder sonst einer Aussage zu erkennen. Dazu werden die im vorigen Kapitel genannten Elemente in filmspezifischen Unterkapiteln kontextualisiert und interpretiert. Im letzten Abschnitt werden die Analyseergebnisse zu THE ELEMENT OF CRIME, EPIDEMIC und EUROPA miteinander verglichen, um Unterschiede und Überschneidungen bei den verschiedenen Raumdarstellungen zu finden und diese zu begründen. Dabei werden zunächst die verschiedenen Darstellungen des Raums „Europa“ – und in diesem Zusammenhang besonders die Darstellungen Deutschlands – thematisiert. Darauf folgt eine Untersuchung von „Dogma 95“, einem Manifest das zehn Gebote zur Filmproduktion aufzählt und u.a. von Lars von Trier entwickelt und veröffentlicht wurde. Dabei werden erst die räumlich relevanten Darstellungsgebote aufgezählt und deren Wirkintention vermutet. Diese Darstellungsgebote werden folgend mit den Darstellungstechniken der Europatrilogie verglichen, um zu überprüfen, inwieweit diese Techniken und die dazu vermuteten Intentionen mit dem Inhalt des Dogmamanifests übereinstimmen. Zuletzt werden die Filmwelten der Europatrilogie noch mit der Realität bzw. der subjektiven Realitätswahrnehmung verglichen, wobei besonders das in allen drei Filmen präsente Thema „Hypnose“ thematisiert wird. Dabei steht einerseits die jeweilige Rolle des Hypnotiseurs im Blickpunkt, ebenso wie dessen Bedeutung für den Zuschauer und den daraus resultierenden subjektiven Anteil der Darstellung.
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