
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, linksgerichtete Perspektiven (vertreten durch Andrew Higson), laut denen das mise-en-scene des Heritage Films ein visual excess ist und der Heritage Film selbst im Konservatismus verankert und daher nicht relevant für die Gegenwart ist, aufzudecken. Mithilfe einer detaillierten Analyse von ausgewählten Filmen wird in dieser Studie aufgezeigt, dass das mise-en-scene des Heritage Films narrative Zwecke erfüllt und dass der Heritage Film durch eine Rückkehr zu einer imagined national past sehr wohl zeitgenössische Themen anspricht. Das zweite Kapitel behandelt eine theoretische Darstellung des Heritage Cinemas als Genre und gibt einen Überblick von der kritischen Debatte, die zwischen den Linken und den Rechten über das Heritage Cinema entbrannt ist. Darüber hinaus wird erforscht, in wieweit die dem Thatcherism zugrunde liegende Ideologie die Produktion dieser Filme beeinflusst hat. Die darauffolgenden drei Kapiteln sind drei verschiedenen Strömungen dieses Genres gewidmet: Merchant Ivory productions, Adaptationen von Jane Austen- Romanen und Monarchy bio-pics. Aufgrund ihrer Obsession mit der authentischen Darstellung der historischen Epoche wurden Filme von Merchant Ivory von Kritikern weitgehend als Loblied auf den Konservatismus abgelehnt. Kapitel Drei veranschaulicht, dass die Funktion des visuellen Schauspiels in diesen Produktionen einen tieferen Sinn hat, wobei der Fokus auf den folgenden drei für dieses Phänomen charakteristischen Filmen A Room with A View (1985), Howards End (1992) und The Remains of the Day (1993) liegt. Im Vierten Kapitel wird in Bezug auf das Phänomen des Austen Revivals angestrebt, Austens Kompatibilität mit zeitgenössischen Ideologien zu veranschaulichen. Mithilfe eines Vergleichs dreier Adaptationen von Jane Austens Romanen, nämlich Sense and Sensibility (1995), Mansfield Park (1999) sowie Pride and Prejudice (2005), lässt sich erkennen, dass die meisten Filmemacher den Mut aufweisen, mit der Idee der wahrheitsgemäßen Wiedergabe zu brechen indem sie eine Ausgewogenheit zwischen traditionellen Werten und Zeitgeist aufrecht erhalten. Das Hauptaugenmerk von Kapitel Fünf liegt auf der wenig ehrfurchtsvollen Art und Weise, in der Monarchen in den sogenannten Monarchy Films, die sich in den 1990er Jahren großer Popularität erfreuten, repräsentiert wurden. Anstelle der traditionellen Obsession mit historischer Richtigkeit findet man ein revisionistisches historisches Bewusstsein vor. Im Diskurs der Postmoderne werden die königlichen Persönlichkeiten nicht länger als unerreichbare, Gott-ähnliche Figuren verklärt, sondern demystifiziert und als normale Menschen mit all ihren Schwächen, Problemen und Schwierigkeiten dargestellt. Außerdem spielen die drei Filme The Madness of King George (1994), Mrs Brown (1997) und Elizabeth (1998), die zu diesem Zweck analysiert werden, auf die Krisen der Monarchie in den 90ern an, was ein weiteres Beispiel für den Bezug des Heritage Films zur Gegenwart darstellt. Abschließend lässt sich feststellen, dass die nationale Identität, die in diesen Heritage Films konstruiert wird, sich mehr durch Diversität als durch Singularität auszeichnet, da die Definition von Englishness im Lauf der Geschichte stark variiert. Die national past, die in diesen Filmen rekonstruiert wird ist keineswegs eine Manifestation von Wirklichkeitsflucht. Sie dient eher der Aufarbeitung von gegenwärtigen Anliegen, da es die Unzufriedenheit mit der Gegenwart ist, die eine nostalgische Sehnsucht nach einer imagined national past schürt.
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