
doi: 10.22032/dbt.63701
Die Südalpen sind bekannt als seismisch aktive Region, und es wurden zahlreiche Studien durchgeführt, um seismisch aktive Störungen zu identifizieren. Trotzdem sind die Quellen für die meisten der wenigen, aber starken historischen Erdbeben insbesondere hinter der Alpenfront noch immer umstritten oder völlig unbekannt. In dieser Studie wurde eine paläoseismologische Untersuchung im Bereich der Fella-Sava-Störung im Grenzgebiet zwischen Österreich, Italien und Slowenien absolviert. Zunächst führten wir Literaturrecherchen und Fernerkundung durch, um Ziele für die Geländearbeit auszuwählen. Wir versuchten, primäre Beweise für die Aktivität der Fella-Sava-Störung zu finden, von der angenommen wird, dass sie die Quelle des Erdbebens von 1348 mit MW 6,6-7,0 war. Neben primären Beweisen für die Aktivität der Verwerfung (wie Oberflächenrupturen, Bruchstufen oder versetzten geomorphologischen Markern) legten wir einen besonderen Schwerpunkt auf Sackungen, d.h. Strukturen, die durch das gravitative >Zerfließen< von Bergen entstehen und von denen bekannt ist, dass sie koseismisch auftreten können (sie können aber auch durch andere Prozesse (re)aktiviert werden). Die Feldarbeiten wurden im September 2022 durchgeführt. Während der Feldarbeiten konnten wir jede Struktur, die wir für eine Sackung hielten, im Gelände als solche nachweisen, waren aber nicht in der Lage, Oberflächenrupturen entlang der Fella-Sava-Störung zu finden. Wir nahmen Proben von Sedimenten aus dem Inneren einer Sackung, die auf ein Alter von 100-300 Jahren datiert wurden. Die beprobte Sackung hatte eine steile interne Hangneigung und war offensichtlich durch Entwässerung verändert worden, so dass unsere Datierung bestätigte, dass selbst Sackungen, die dynamischen Erosionsprozessen unterliegen (wie sie in Gebirgsregionen wie unserem Untersuchungsgebiet häufig anzutreffen sind), in der Lage sind, ein bis mehrere Jahrhunderte lang Sedimente anzusammeln und somit die (De-)Formationsgeschichte der einzelnen Sackungen aufzuzeichnen. Nach der Feldarbeit wurde eine systematische Fernerkundungskartierung der Sackungen in einem Gebiet 15 km nördlich und südlich eines Segments der Fella-Sava-Störung, Epizentralgebiet des Erdbebens von 1348 vermutet wird, unter Verwendung der verfügbaren hochauflösenden (1 m) digitalen Geländemodellen durchgeführt. Eine Analyse der Verteilung der Sackungen ergab, dass sie innerhalb von 5 km nördlich und südlich der Fella-Sava-Verwerfung gehäuft auftreten. Eine Richtungsanalyse zeigt, dass der bevorzugte Trend der Sackungen parallel zur Fella-Sava-Verwerfung verläuft. Eine klare Korrelation zwischen Richtung und Auftreten der Sackungen mit dem Auftreten bestimmter Lithologien, der Taltiefen und der bevorzugten Richtung der Höhenlinie konnte hingegen nicht beobachtet werden. Diese Beobachtungen weisen auf postglaziale Aktivität der Fella-Sava-Störung hin, die sehr wahrscheinlich die Quelle des Erdbebens von 1348 war.
The Southern Alps are known to be a seismically active region. Despite this, the sources for most of the few, but strong historic earthquakes especially behind the Alpine front are still debated or completely unknown. In this study, we conducted a paleoseismological investigation around the FellaSava Fault in the border area between Austria, Italy, and Slovenia. We first carried out literature research and remote sensing to choose targets for field work. We tried to find primary evidence for the activity of the Fella-Sava Fault, believed to be the source of the 1348 earthquake with MW 6.6-7.0. Beside primary evidence for fault activity (like surface ruptures, fault scarps or offset geomorphic markers), we put a special emphasis on sackungen, features created by gravitational collapse of mountains known to occur coseismically (although they can be (re-)activated by other processes as well). During field work, we could field-prove every feature believed to be a sackung but were not able to identify evidence for surface ruptures along the Fella-Sava Fault. We sampled sediments accumulated inside a sackung that were dated to an age of 100-300 years. After field work, a systematic remote sensing mapping of sackungen in an area 15 km north and south of a segment of the Fella-Sava Fault believed to be epicentral area of the 1348 earthquake was carried out using the available high-resolution (1 m) digital elevation models. An analysis of the distribution of the sackungen showed that they cluster within 5 km of north and south of the Fella-Sava Fault. A directional analysis shows that the preferred trend of the sackungen is parallel to the Fella-Sava Fault. Those observations indicate postglacial activity of the Fella-Sava Fault, which very likely was the source of the 1348 earthquake.
Setzung, 550, Geomorphologie, Erdbeben, Neotektonik, Südalpen
Setzung, 550, Geomorphologie, Erdbeben, Neotektonik, Südalpen
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