
doi: 10.1515/zac.2006.006
Zusammenfassung Athanasius, Markell von Ankyra und Apollinaris von Laodizea bilden eine merkwürdige Gruppe. Sowohl Markell als auch Apollinaris waren Freunde des Athanasius, und man kann annehmen, daß zwischen ihnen grundsätzlich Einigkeit in theologischen Positionen bestand. Doch brach Apollinaris in seiner Schrift Kata meros pistis oder „Ausführliche Darlegung des Glaubensbekenntnisses“ mit Markell und griff dessen Vorstellungen an. Man muß sich fragen, warum er das tat. Die Antwort besteht darin, daß sich Apollinaris bewußt wurde, daß ein theologischer Fortschritt in der Trinitätslehre nötig war; und dieser Fortschritt ließ Markell im Irrtum zurück. Die Schrift Kata meros pistis ist am ehesten um 360 oder 363 zu datieren. Der zentrale Abschnitt (13-31) ist ein Traktat gegen Markell. Die Neu-Sabellianer (d.h. Markell) bekennen, wie Apollinaris schreibt, keine drei prosôpa; sie bekennen die Dreiheit in der Einheit und sie glauben, daß die Weisheit in Gott anhypostatisch existiert. Der Punkt, auf den Apollinaris immer wieder insistiert, ist die Notwendigkeit, drei prosôpa zu bekennen. Das prosôpon ist ein Zentrum des Bewußtseins, eine Manifestation der hypostatischen Existenz. Apollinaris machte, was Markell niemals tun konnte, und Athanasius tat es nur einmal – und wahrscheinlich ungern –, er benannte, was drei in Gott ist und löste auf diese Weise eine terminologische Pattsituation. Apollinaris markiert in dieser Hinsicht einen Fortschritt in der Trinitätslehre über Athanasius und Markell hinaus.
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