
Die Feier des maulid, des Prophetengeburtstages, und der Heiligengeburtstage; die ziyâra, die Wallfahrt zu den Heiligen und ihren Gräbern; der dhikr, die Meditation der Sufis und seine verschiedenen Spielarten; die Praxis des tawassul, der Fürbitte an den Heiligengräbern; das Amulettwesen, magisch-religiöse Handlungen wie das „Trinken der Schrift”, die Wundertaten der Heiligen (karamât) und der Glaube an ihre Segenskraft (baraka) wie auch an ihre besondere Vermittlerrolle; diese und viele andere religiösen Riten und Bräuche und Formen islamischer Religiosität werden seit Jahrhunderten von islamischen Gelehrten als bidac (unislamische Neuerungen) und manchmal sogar als ṣihr (Zauberei) oder als kufr (Unglaube) angegriffen und verurteilt. Dennoch haben viele dieser Riten und Bräuche in vielen islamischen Gesellschaften bis heute eine erstaunliche Vitalität behalten. Im Folgenden möchte ich am Beispiel des dhikr zeigen, wie sich diese Persistenz erklären lassen könnte.
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