
doi: 10.14264/2f14070
Die vorliegende Arbeit untersucht eingehend das religiöse Weltbild des Bestsellerautors Michael Ende, wie dies in seinen drei Hauptromanen -- Jim Knopf, Momo und der Unendlichen Geschichte -- dargestellt wird. Sie bildet einen Versuch, den Mangel an wissenschaftlicher Kritik an Michael Ende -- einem Autor, der einen bedeutenden Eindruck auf die deutsche Kultur der siebziger und achtziger Jahre gehabt hat -- zu beseitigen, indem ein zentraler Aspekt seines Werks, nämlich das darin steckende Religiöse, gründlich behandelt wird. Ziel der Arbeit ist zweierlei: erstes Ziel ist festzustellen, daß Ende tatsächlich ein 'religiöser' Autor ist; zweites Ziel ist es, ein gründliches Verständnis des in seinen Werken steckenden religiösen Weltbildes zu gewinnen. Im ersten Teil der Arbeit wird klar, daß Ende ein äußerst religiöser Autor ist, indem er sich in seinem Werk mit den sogenannten 'Sinnfragen des Lebens' auseinandersetzt, d.h. mit den Fragen des Menschen nach dem Sinn des Lebens, des Kosmos, Gottes und des Bösen. Seine literarischen Werke gehören also offensichtlich der Kategorie der 'implizit religiösen' Literatur an. Nach Feststellung dieser Tatsache wird dem Leser ein Überblick über Endes ausgewähltes Genre (das Genre der phantastischen Kinder- und Jugenderzählung) sowie über seinen Lebenslauf und sein Gesamtwerk gewährt. Der Hauptteil der Arbeit wird dann einer eingehenden Analyse der Romane von Ende nach dem in jedem Werk dargestellten religiösen Weltbild gewidmet. Die drei Romane werden jeweils nach Endes 'Antworten' auf die folgenden Sinnfragen überprüft: i. Gibt es einen Gesamtsinn des Lebens bzw. des Kosmos?ii. Wer ist der Mensch; wo kommt er her, wo geht er hin?iii. Gibt es einen Gott? Wenn ja, was für einen?iv. Was ist die Natur bzw. der Zweck des Bösen? Dabei liegt die Betonung fast ausschließlich auf den Inhalt des jeweiligen Romans; eine nähere Betrachtung von Endes Gebrauch anderer literarischer Mittel (wie z.B. Sprache und Stil), um sein religiöses Weltbild zu unterstreichen, liegt leider außerhalb des gesteckten Rahmens der Arbeit. Bei der vorliegenden Untersuchung erweist sich Jim Knopf als eine spaßhafte, heitere Happyend-Geschichte, in der Endes Weltbild noch nicht richtig entwickelt ist. Die Welt hier ist im Grunde eine Kinderwelt, die aus einer bunten Mischung aus allerlei lebendigen, technischen und magischen Figuren und Gegenständen besteht. Der Mensch in Jims Welt ist der große Forschungsreisende, der auf Abenvi teuer ausgeht und die Welt um sich her erobern will; 'Gott' ist eine ferne, irrelevante Figur; ebenso spielt das Böse eine geringe Rolle im ganzen. In Momo setzt sich Ende im Ernst mit den obengenannten Fragen auseinander; vor allem die wesentliche Natur des Menschen sowie dessen Verhältnis zum Mitmenschen und zur Natur beschäftigen ihn in diesem Roman. Den wesentlichen Wert des menschlichen Lebens sieht er vor allem in die Kommunikationsfähigkeit des einzelnen Menschen anderen Menschen und der Natur gegenüber; außerdem betont er die unvorstellbare Größe, Schönheit und Harmonie des Kosmos. Das Böse in Momo tritt auf in Form von Habgier, von Entfremdung des Menschen und vor allem von der Mißachtung des menschlichen Lebens. In der Unendlichen Geschichte untersucht Ende die Mehrdimensionalität des Kosmos sowie die entsprechende Komplexität oder 'Mehrdimensionalität' des einzelnen Menschen. Er setzt sich mit der wesentlichen Dualität des Menschen auseinander, d.h. mit der Spannung des einzelnen zwischen seiner 'inneren' und ‘äußeren’ Realität. Vor allem richtet er seinen Blick auf die häufig unterdrückte 'innere Welt' des Menschen -- dessen Träume, Gefühle, Hoffnungen und vor allem dessen 'Phantasie', d.h. die Fähigkeit, Neues ins Leben zu rufen. Endes Botschaft in diesem Roman ist, daß man gleichzeitig auf mehreren Dimensionen leben muß; anders ausgedrückt muß man das Gleichgewicht zwischen dem Inneren und dem Äußeren, dem 'Wirklichen' und dem 'Phantastischen' behalten, um 'gesund' zu bleiben. Im letzten Kapitel der vorliegenden Arbeit wird Endes religiöses Weltbild und dessen Entwicklung zusammengefaßt und dann mit denen seiner Zeitgenossen verglichen, um gewisse Parallelen und Unterschiede dazwischen herauszubringen. Letzten Endes erweist sich Michael Endes religiöses Weltbild als ein sehr positives (wenn auch in mancher Hinsicht etwas vages) Weltbild. Ende glaubt fest an den wesentlichen Wert des Menschen, der schließlich im Mittelpunkt des ganzen Kosmos steht; er fordert ihn heraus, die Totalität der Wirklichkeit anzunehmen und mit Hilfe der Phantasie erneut an seine Probleme heranzugehen. Alles in allem hat Ende zufolge das ganze Leben einen Sinn, auch wenn nicht alle Fragen und Probleme, mit denen der Mensch in jedem Zeitalter konfrontiert wird, schließlich geklärt werden.
Ende, Michael, 1929-1995, 200512 Literature in German, School of Languages and Comparative Cultural Studies
Ende, Michael, 1929-1995, 200512 Literature in German, School of Languages and Comparative Cultural Studies
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