
doi: 10.1007/bf02241547
Der Wanderfalke war als Baumbruter mit uber 1000 Brutpaaren uber das europaische Tiefland von Deutschland bis Russland verbreitet. In Nord - und Ostdeutschland existierte eine ca. 500 Brutpaare starke reine Baumbruterpopulation, in der nur ganz wenige Fels- und Gebaudebruten vorkamen und die an den Folgen chemischer Schadlingsbekampfungsmittel in der Nahrungskette nach 1972 vollstandig ausstarb wie im gesamten Baumbrutergebiet. Die Gewohnheit auf Baumen zu nisten beruht beim Wanderfalken offensichtlich auf Pragung und Traditionsbildung. Unter dieser Voraussetzung wurde 1990 ein Wiederansiedlungsprogramm mit Pragung gezuchteter Jungvogel auf Baumbruthabitat wahrend ihrer Auswilderung begonnen, und es wird bis zum Erreichen von 20 Baumbrutansiedlungen im deutschen Baumbruterareal forgesetzt. Bisher wurden 201 Falken erfolgreich ausgewildert; zusatzliche 29 flogen von 3 Wildparren aus, die seit 1996 in Kiefernaltholzern angesiedelt gefunden wurden. Alle Vogel der seit 1981 neu entstandenen ostdeutschen Wanderfalkenpopulation sind durch Ringkombinationen individuell gekennzeichnet nach ihrer Herkunft aus Baum-, Fels- oder Gebaudebruten sowie aus Auswilderungen oder Wildbruten. Auch Jahrgang und Herkunftsrevier lassen sich fernoptisch bei den angesiedelten Brutpaaren ablesen. Zur Erfolgskontrolle wurde eine Uberlebenstafel berechnet (Tabelle), die fur das Jahr 2000 insgesamt 22 brutreife Wanderfalken aus der Auswilderung und aus den Wildbruten zusammen erwarten lies. 9 Falken an den drei bisher gefundenen Baumbrutansiedlungen stammen alle aus dem Projekt, womit die Wirksamkeit der Pragung erwiesen ist. Weitere 11 Individuen aus dem Projekt wurden als Partner von Gebaude-und Felsbruten gefunden. Das entspricht ca. 50 % Ruckkehr zur angeborenen Nistweise, aber bisher gab es keinen einzigen Wechsel von Gebaude- oder Felsbrutern zur Baumbrut. Der Austausch zwischen den Bruttypen entspricht also einer Einbahnstrase mit Sperrrichtung zur Baumbrut. Nach diesem neuen Befund kann sich eine Baumbruterpopulation nur dort entwickeln und behaupten, wo Nistmoglichkeiten an Felsen oder Gebauden nicht oder sehr sparlich vorhanden sind. Deshalb keine Nisthilfen an Gebauden im Baumbruterareal anbringen! Der erreichte Anfangserfolg ist erst dann gesichert, wenn im Baumbruterareal mehr auf Baumbrut gepragte Wanderfalken ausfliegen als aus Gebaudebruten. Rechtzeitiger Schutz vor Artenschwund sollte in jedem Fall Vorrang vor aufwendiger und nicht immer durchfuhrbarer Wiedereinburgerung haben.
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