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Zoomorphologie
Article . 1977 . Peer-reviewed
License: Springer Nature TDM
Data sources: Crossref
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Beiträge zur Embryonalentwicklung vonLimulus Polyphemus L. (Chelicerata, Xiphosura)

Authors: Günter Scholl;

Beiträge zur Embryonalentwicklung vonLimulus Polyphemus L. (Chelicerata, Xiphosura)

Abstract

Es wurde die Entwicklungsgeschichte einiger Organsysteme vom Beginn der Segmentierung des Keimstreifens bis zum 1. Larvenstadium anLimulus polyphemus untersucht. Von besonderem Interesse erschien die Ausgestaltung metamerer Strukturen mesodermaler und ektodermaler Herkunft. Zwei Fragen standen im Vordergrund dieser Arbeit, einmal die umstrittene Abgrenzung der Prosoma-Opisthosoma-Grenze, zum zweiten die Entstehung des Syncephalon eines ursprunglichen Cheliceraten. Die Mesodermversorgung des Kopfes entspricht der anderer genauer untersuchter Cheliceraten, Es ist labrales Mesoderm und ein ausgedehntes prachelicerales Coelom vorhanden. Die prospektive Bedeutung des labralen Mesoderms ist die Ausbildung der schwachentwickelten eigentlichen Labralmuskulatur, vor allem aber die Bildung von Mundwinkelprotraktoren, rostralen Vorderdarmdilatatoren und Vorderdarmmuskulatur. Die prospektive Bedeutung des Prachelicerencoeloms liegt in der Bildung der Aorta anterior. Vermutlich ist die Entstehung des vorderen komplexen Dotterseptums ebenfalls auf den Einflus dieses Prachelicerencoeloms zuruckzufuhren. Im Verlauf dieses Dotterseptums erfolgt eine bemerkenswerte Umkehrung der serial homolog entstehenden Anlagen mesodermaler Elemente. Die dorsale Extremitatenmuskulatur der Cheliceren gelangt gegenuber der dorsalen Extremitatenmuskulatur des folgenden, ja sogar des ubernachsten Segmentes in eine caudal verschobene Position. Wahrscheinlich ist vergleichbares auch fur die vordersten Suspensormuskeln des Endosternits der Fall. Im Nervensystem dieses Bereiches lassen sich ebenfalls eine Fulle von Besonderheiten nachweisen: Das Ganglion der Cheliceren besitzt nur eine vor dem Vorderdarm verlaufende Kommissur. Unabhangig von ihm entsteht in der Vorderdarmseitenwand ein Strang neurogenen Gewebes, der sich sekundar mit dem Chelicerenganglion verbindet und die sogenannten Rostralganglien, besser Stomodaealganglien oder Pharyngealganglien liefert, von denen aus, der Seitenwand des Vorderdarmes anliegend, sehr deutliche Nervenstrange dem Vorderdarm entlang ziehen (Stomodaealnerven nach Patten u. Redenbaugh, 1900). Einmalig innerhalb der Arthropoden ist die Versorgung des Vorderdarmes mit Muskulatur, die Beziehung zu sicher poststomodaeal angelegten Segmenten aufweist. Wenn auch deren Herkunft nur in wenigen Fallen geklart werden konnte, so ist zumindest sicher, das poststomodaeale Anteile des Primarsternits in den Vorderdarm eingebaut werden. Vor dem Chelicerenganglion liegt das von Johansson (1933) als Antennalganglion beschriebene Gebilde. Seine Bedeutung wird diskutiert. Rostral folgt ein weiteres Ganglion, welches aus den sekundar verschmolzenen Zentralkorperanlagen entsteht. Das Archicerebrum besteht aus den sehr spat entstehenden und mit zipfelformigen Fortsatzen bis ins Epistom reichende Corpora pedunculata, dem sogenannten „Cerebralganglion“, welches die Sehzentren fur die Medianaugen enthalt und den seitlich angrenzenden optischen Ganglien. Das Gehirn vonLimulus ist durch Konzentrationsprozesse in medianer Richtung und damit verbunden einer Emporhebung von Zentralkorperganglion und Antennalganglion gekennzeichnet. Fur das Verstandnis der ungewohnlichen Position des Komplexauges vonLimulus ist der Nachweis seiner caudalen Verlagerung wichtig. Das Herz entsteht aus den dorsalen Teilen der Coelome 5 bis 13. Das 7. Metamer wird ganz und das 8. zum grosten Teil in das Prosoma einbezogen. Eine entscheidende Bedeutung der sich hierbei abspielenden Verlagerungsvorgange kommt dem Dottersegment 6 zu. Im Opisthosoma verbleiben die Ganglien 9 bis 16. Die Ausgestaltung dorsoventraler Muskulatur macht die Anlage von insgesamt 18 Metameren wahrscheinlich. Die Zuordnung des Coeloms zu ektodermalen Strukturen (Seitenzahne und Seitenstachel des Opisthosomas sowie dorsalen Borsten wird diskutiert). Die anLimulus beobachteten gegenlaufigen Gestaltungsbewegungen stellen eine Fulle von Fragen hinsichtlich der sie bewirkenden Faktoren.

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