
doi: 10.1007/bf00406594
1. Unter dem Einflus erhruhter Temperatur (36° C) wird der Symbiontenbestand des Getreideplattkafers, Oryzaephilus surinamensis L. vollig abgebaut. Die in den 4 Mycetomen lokalisierten Bakterien, welche normalerweise schon einen auserordentlich starken Pleomorphismus zeigen, wachsen unter den veranderten Temperatureinflussen zu aufgetriebenen Involutionsformen aus, die dann einem allmahlichen Degenerationsprozes unterliegen. 2. Bei 30° C werden die Symbionten noch in keiner Weise geschadigt; bei 38° C liegt die todliche Temperaturgrenze fur Oryzaephilus. Der Schwellenwert fur den Symbiontentod liegt zwischen 32° C und 33° C. 3. Der schaliche Temperatureinflus macht sich nicht bei allen Entwicklungsstadien von Oryzaephilus gleichmasig geltend. Thermosensibel sind nur jene Entwicklungsstadien von Oryzaephilus, welche die kurzen, gedrungenen Infektionsformen aufweisen, also: geschlechtsreife ♀♀ Eier bzw. Embryonen und Larven bis zum Abschlus des 1. Larvenstadiums bzw. junge Zweitlarvenstadien. 4. Hand in Hand mit der Auflosung des Symbiontenbestandes geht die Hypertrophie der Rindenschicht der Mycetome, die schlieslich die Hauptmasse des Mycetoms ausmacht. Der zentral gelegene Hauptkern des Mycetoms bleibt erhalten und auch die Kerne der Syncytien sind, zu Haufen geschart, noch lange in den sterilen Mycetomen nachweisbar. 5. Die symbiontenfreien ♀♀ von Oryzaephilus erzeugen nun ihrerseits symbiontenfreie Nachkommen, in denen aber die verodeten Mycetome in gleicher Weise aufgebaut werden, wie wenn die symbiontischen Bakterien vorhanden waren. Die Mycetome von Oryzaephilus sind zu einem erblich fixierten Merkmal geworden, die auch nach Verlust ihrer ursprunglichen Bedeutung durch viele Generationen (25. Generation) bisher erhalten geblieben sind. 6. Irgendwelehe Ausfallserscheinungen traten im Gefolge des Symbiontenverlustes — selbst bei extrem einseitiger Ernahrung (Starke) — nicht auf. Die symbiontenfreien Tiere pflanzen sich bei gleicher Ernahrungsweise genau so fort wie die normal infizierten, ohne irgendwelche Einbuse in der Nachkommenzahl zu erleiden. Auch im Hungerversuch erwiesen sich die normal infizierten Tiere den sterilen gegenuber nicht im Vorteil. 7. Trotz alledem sind wir nicht berechtigt, die Symbionten von Oryzaephilus als harmlose Parasiten zu betrachten, denen jegliche Bedeutung im tierischen Haushalt abgesprochen werden mus. Schliest doch die Erkenntnis, das ein Organ nicht lebensnotwendig ist, seine Zweckdienlichkeit nicht aus, selbst wenn wir im Augenblick noch nicht in der Lage sind, seinen Leistungsbereich zu erkennen.
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