
doi: 10.1007/bf00340546
1. Die Cercarie von Diplostomum spathaceum (Rudolphi 1819) zeigt 2 Phasen des Schwimmverhaltens: ein passives Absinken von 2–120 sec Dauer (Passiv-Phase) und einen schnellen, gewohnlich nach oben gerichteten Schwimmstos von 1/10–3 sec Dauer und einer Lange von 2–8, maximal 16 mm (Aktiv-Phase). Beide Phasen wurden quantitativ erfast durch Messen der Absinkdauer t (Passiv-Phase) und der Schwimmstoslange s (Aktiv-Phase). 2. Die Spontanaktivitat der Cercarie wird u.a. beeinflust durch Temperatur (mit zunehmender Temperatur verkurzen sich s und t, Tabelle 1) und Lichtintensitat (mit zunehmender Lichtintensitat verlangert sich s und verkurzt sich t, Tabelle 2). Die positive Geotaxis wachst (durch Erhohung der Aufstiegsgeschwindigkeit) danach bei zunehmender Lichtintensitat und abnehmender Temperatur. Eine positive Phototaxis wurde nachgewiesen, obwohl den Ocellen auffallende Abschirmpigmente fehlen. 3. Die Reaktion auf Beleuchtungsreize hangt u. a. davon ab, ob der Beiz in der Passiv-Phase oder in der Aktiv-Phase gegeben wird, und ob es sich um einen positiven oder negativen Lichtintensitatswechsel handelt: a) Ein Dunkelreiz, gegeben in der Passiv-Phase kann Schwimmstose auslosen. Die Auslosung erfolgt nach der Alles-oder-Nnichts-Regel und hangt u. a. ab von Dauer und Helligkeitsunterschied des Reizes (Tabellen 4, 11) und von der Geschwindigkeit des Lichtintensitatswechsels (Tabelle 5). Die Auslosebereitschaft der Cercarie steht auserdem in Zusammenhang mit dem Erregungszustand des Mechanismus, der den Start spontaner Schwimmstose bewirkt und ist bei Parasitenpopulationen der einzelnen Wirtsindividuen unterschiedlich ausgebildet. Wirkung auf durch den Reiz nicht ausgeloste Schwimmstose: Verlangerung von t (nur bei geringer Auslosebereitschaft der Cercarien nachweisbar, Abb. 4) und Verkurzung von s, wobei offenbar nur der Helligkeitsunterschied des Reizes beeinflust, nicht die Geschwindigkeit des Lichtintensitatswechsels. b) Ein Dunkelreiz in der Aktiv-Phase hemmt den Schwimmstos. Die Hemmung erfolgt nach der Alles-oder-Nichts-Regel und hangt ab vom Helligkeitsunterschied und der Dauer des Reizes (Tabelle 13). c) Ein Belichtungsreiz in der Passiv-Phase verzogert den Start des Schwimmstoses (Abb. 7, 8) und verlangert ihn (Tabelle 15) in Abhangigkeit vom Helligkeitsunterschied des Reizes (offenbar unabhangig von der Geschwindigkeit des Lichtintensitatswechsels, Tabelle 16). d) Ein Belichtungsreiz in der Aktiv-Phase verlangert den Schwimmstos in Abhangigkeit vom Helligkeitsunterschied des Reizes (Tabelle 14) und verzogert oft die Auslosung des folgenden Schwimmstoses. 4. Auf Turbulenz- und Beruhrungsreize in der Passiv-Phase werden Schwimmstose ausgelost und das nachfolgende t verlangert. In der Aktiv-Phase gegeben, verlangern sie den Schwimmstos. 5. Da s und t aufeinanderfolgender spontaner Schwimmstose in ihrer Grose voneinander unabhangig sind (Tabelle 3, Abb. 1) und von Reizen entgegengesetzt beeinflust werden konnen, wurden fur die Steuerung der Spantanaktivitat 2 getrennte Mechanismen postuliert: 1. ein Schwimmstos-beeinflussender Mechanismus, der die Lange des Schwimmstoses s festlegt, 2. ein Auslosemechanismus, der den Start des Schwimmstoses und damit die Dauer der Passiv-Phase bestimmt. Da isolierte Schwanze eine Spontanaktivitat zeigen, mussen zumindest Teile dieser Mechanismen im Schwanz gelegen sein. 6. Die Wirkung der optischen Reize auf diese Mechanismen wurde in einem vorlaufigen Funktionsmodell dargestellt (Abb. 9).
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