
Die gebaute Umwelt verbraucht etwa 50 % des derzeit weltweit geförderten Materials und verursacht 30 - 40 % des weltweiten Abfallaufkommens. Das Bauen ist bisher noch stark linear organisiert. Das bedeutet, Bauabbruchmassen landen größtenteils auf Deponien. Hier müssen Veränderungen in Richtung zirkuläres Bauen vorangebracht werden. Materialkataster bieten hierzu die Möglichkeit, den Baumaterialbestand von Städten und Regionen zu erfassen, zu analysieren und so wichtige Informationen für das Management von Stoffströmen bzw. Baumaterialkreisläufen bereitzustellen. In diesem Beitrag stellen wir den Aufbau eines Materialkatasters am Beispiel des Gebäudebestandes von Hessen vor. Als Grundlage nutzen wir hier den LOD2-Gebäudedatensatz des Bundesamtes für Kartografie (BKG). Dieser dient der objektbezogenen Ermittlung der Gebäudevolumina und der Verortung der Objekte, woraus sich die Anknüpfung entsprechender Materialkennzahlen anbietet. Methodische Kennzeichen für den hier gewählten Ansatz sind – neben der Nutzung der objekt-bezogenen Gebäudevolumina – insbesondere die typologische Differenzierung des Siedlungskörpers unter Einbeziehung verfügbarer ALKIS-, ATKIS- und Adressinformationen sowie Deep-learning Ansätze. Eine besondere Herausforderung besteht diesbezüglich in einer detaillierten Differenzierung des Gebäudebestandes, die eng mit der Daten- bzw. Informationsverfügbarkeit verbunden ist. In Abhängigkeit davon werden typologische Materialkennzahlen aus Bottom-Up-Analysen abgeleitet. Der Materialbestand der Gebäude wird dahingehend so charakterisiert, welche Baumaterialien und welche Mengen in einzelnen Gebäudetypen verbaut sind. Diese ermöglichen im Weiteren beispielsweise auch die Ableitung der bei Abbruch entstehenden Abfallkategorien. Im Materialkataster bleibt somit der Objektbezug für die ermittelten Informationen zu den Baumaterialien erhalten, so dass sich eine hohe räumliche Auflösung ergibt. Ergebnis ist die verräumlichte Materialität des Gebäudebestandes – sowohl qualitativ (Materialarten) als auch quantitativ (Materialmengen). Sie liefert wichtige Baumaterialinformationen für ein vorausschauendes Abfallmanagement, so u. a. ein „Pre-Demolition-Audit“. Auch für Recycling-unternehmen sind die Materialkatasterinformationen von Interesse, da sie helfen, künftig anfallendes Abbruchmaterial besser abzuschätzen und darauf basierend Geschäftsmodelle aufzubauen.
Gebäudetypologie, DFNS 2024, Geobasisdaten, Materialkataster, Zirkularität, 3D-Gebäudemodelle
Gebäudetypologie, DFNS 2024, Geobasisdaten, Materialkataster, Zirkularität, 3D-Gebäudemodelle
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