
Diese Arbeit widmet sich der Erforschung der Inhalte von approbierten Schulbüchern des in der Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schule, in der Neuen Mittelschule sowie in der Hauptschule institutionalisierten Schulfachs „Geschichte und Sozialkunde/ Politische Bildung“ im Hinblick auf die Frage, in welchem Ausmaß und in welcher Form soziale Ungleichheit innerhalb der österreichischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert thematisiert wird. Normativen Ausgangspunkt bildet die sich im Ansatz der Kritischen Politischen Bildung (vgl. Lösch/ Thimmel 2010) widerspiegelnde Ansicht, dass Politische Bildung in der Schule auch soziale Verhältnisse thematisieren muss, um in einem emanzipativen Sinne „politisch“ zu sein. Ebenso verweisen die verschiedenen theoretischen Zugänge und empirischen Manifestationen sozialer Ungleichheit, mit denen sich diese Arbeit befasst, auf die Relevanz einer Erforschung dieses Gegenstands. In den mittels der Methode der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger (2016) untersuchten Schulbüchern wird das Bestehen sozialer Ungleichheit innerhalb der österreichischen Gesellschaft kaum thematisiert. Während Österreich vor allem als reich und wohlhabend dargestellt wird, werden in zeitlicher oder räumlicher Hinsicht andere Gesellschaften als sozial ungleich markiert. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass selten explizit von „sozialer Ungleichheit“ die Rede ist und vielmehr auf umschreibende Begrifflichkeiten wie „Gegensätze“ oder auf Gegenüberstellungen von „Arm und Reich“ zurückgegriffen wird. Obwohl also soziale Ungleichheit als Gesellschaft strukturierendes Phänomen nicht zum Thema gemacht wird, finden sich in den Schulbüchern zahlreiche Begriffe, welche auf deren reale Existenz verweisen (etwa „kleine Leute“, oder „Schicht“). Der in den Schulbüchern geführte Diskurs um soziale Ungleichheit, der keiner sein will, ist insofern hochgradig ambivalent, als die Existenz sozialer Ungleichheit innerhalb der österreichischen Gesellschaft negiert, gleichzeitig aber ihre gesellschaftliche Allgegenwärtigkeit bestätigt wird. Die Forschungsergebnisse verweisen auf die Notwendigkeit einer weitergehenden Auseinandersetzung mit der schulischen Politischen Bildung aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive. Entsprechend der Bedeutung, die Politischer Bildung als Voraussetzung für politische Partizipation, und damit für das Bestehen der Demokratie selbst, zugeschrieben wird, ist sie auf gesellschaftspolitischer Ebene umkämpft, und entsprechend konkurrieren auf diesem Feld verschiedene wissenschaftliche und didaktische Herangehensweisen. Angesichts dessen und in Anbetracht der Ergebnisse dieser Arbeit ist es wünschenswert, dass sich die Sozialwissenschaften verstärkt in die diesbezügliche Diskussion einbringen – könnten sie diese doch um eine differenzierte, kritische Sichtweise bereichern.
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