
Soziale Normen und moralische Werte sind ein wesentlicher Bestandteil jeder gut funktionierenden Gesellschaft und Kultur. Deshalb ist es notwendig, diese Werte an alle Gesellschaftsmitglieder, besonders an Kinder und Jugendliche, weiterzugeben. Kinder sind nicht von Natur aus gut oder böse, sondern sie entwickeln sich entsprechend ihrer moralischen Erziehung. Die Übermittlung von ethischen Werten ist nicht nur Aufgabe der Eltern, sondern auch der LehrerInnen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie zwölfjährigen SchülerInnen, die in Englisch auf Anfängerniveau sind, ein spezifisch moralischer Wert, nämlich Heldenhaftigkeit, im Fremdsprachenunterricht vermittelt werden kann. Die ursprüngliche Auffassung von Heldenhaftigkeit, wie man sie aus Filmen und Legenden kennt, ist heutzutage jedoch kaum präsent. Das heutige Verständnis von Heldenhaftigkeit umfasst vielmehr einige verschiedene Werte, wie Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Mut. Das Lehren von Heldenhaftigkeit ist insbesondere wichtig, da Helden einen starken Einfluss auf Kinder haben. Sie streben danach, ihren Helden nachzueifern, was wiederum ihre Entwicklung von heroischem Verhalten positiv beeinflusst. Außerdem haben Kinder, wie alle anderen, Probleme, jedoch fehlen ihnen die Erfahrung und die Bewältigungsstrategien, um sie zu lösen. Die Identifikation mit Helden ermöglicht es den Kindern, mit ihren Gefühlen umzugehen und sie als Vorbild für Handlungsmöglichkeiten zu nehmen. Die Herausforderung bei der Übermittlung von Heldenhaftigkeit ist es, Zwölfjährigen, die noch nicht fähig sind, ein abstraktes Konzept gänzlich zu begreifen, eine moralische Kategorie zu erklären. Weiters stellt es für SchülerInnen auf Anfängerniveau eine Schwierigkeit dar, sich in der Fremdsprache auszudrücken und ihre Ideen zu artikulieren. Dies sind die beiden größten Herausforderungen, die es beim Lehren von Heldenhaftigkeit im Fremdsprachenunterricht zu überwinden gilt. Diese Arbeit zeigt, wie die genannten Schwierigkeiten bewältigt und die Vermittlung von Heldenhaftigkeit praktisch umgesetzt werden kann. Die Zielgruppe der Zwölfjährigen für die Vermittlung von Heldenhaftigkeit wurde bewusst gewählt, da in diesem Alter wichtige Wendepunkte in der kognitiven und moralischen Entwicklung stattfinden. Zwölfjährige sind sich über das wechselseitige Geben und Nehmen in einer Gesellschaften durchaus im Klaren, jedoch sind sie gerade erst dabei zu lernen, dass jeder den sozialen Normen folgen muss, weil diese Regeln für das Aufrechterhalten der sozialen Ordnung wichtig sind (vergl. Kohlberg, Social Psychology 269). Dies spiegelt den Übergang von der dritten zur vierten Stufe der moralischen Entwicklung wider. Auch kognitiv befinden sich Zwölfjährige an einem Wendepunkt. Sie lernen in diesem Alter, abstrakte Konzepte zu verstehen und sind dabei, die Stufe des abstrakten Denkens zu erreichen. Die Tatsache, dass die meisten Zwölfjährigen noch nicht auf der Stufe des abstrakten Denkens angelangt sind, ist eine der beiden Hauptschwierigkeiten beim Lehren des abstrakten, moralischen Konzeptes von Heldenhaftigkeit. Die Lösung des Problems liegt darin, literarische Texte zu verwenden, die Heldenhaftigkeit exemplarisch darstellen. Dadurch wird die Abstraktheit reduziert, und Heldenhaftigkeit kann anhand von illustrierenden Beispielen veranschaulicht und analysiert werden. Bei der Wahl der Texte ist zu beachten, dass sich besonders Märchen und Legenden für die Vermittlung von moralischen Werten eignen, da diese Kinder in ihrer geistigen Entwicklung unterstützen, ihnen helfen, mit ihren Gefühlen umzugehen und durch individuelle Interpretationen Lösungsansätze für Probleme bieten (vergl. Bettelheim 5). Die zweite Herausforderung beim Lehren von Heldenhaftigkeit ist es, die sprachlichen Barrieren zu überwinden. Es ist wichtig, dass die Lehrperson die SchülerInnen mit den notwendigen Vokabeln ausstattet und sie mit auf die SchülerInnen abgestimmten Übungen zum Ziel führt. Die Aufgaben sollen die SchülerInnen motivieren und ihnen Freude bereiten. Beim Erstellen der Übungen muss besonders darauf geachtet werden, dass diese aufeinander aufbauen, dass sie sprachlich so einfach wie möglich gehalten werden und dass das soziale Format unterstützend wirkt. Wie solche Übungen schließlich aussehen sollen, sowie Erklärungen und Begründungen für bestimmte Aufgaben, wird im praktischen Teil der Arbeit, in Kapitel 7, genau dargestellt. Die entwickelten Übungen sowie die gesamten Stundenplanungen zum Thema Heldenhaftigkeit wurden bereits an SchülerInnen der zweiten Klasse Unterstufe eines Gymnasiums in Niederösterreich erprobt. Die Testung verlief sehr erfolgreich und zeigt, dass es möglich ist, die sprachlichen sowie die kognitiven Schwierigkeiten zu bewältigen, und Zwölfjährigen das abstrakte, moralische Konzept von Heldenhaftigkeit im englischen Fremdsprachenunterricht, trotz des Anfängerniveaus der SchülerInnen, zu vermitteln.
| selected citations These citations are derived from selected sources. This is an alternative to the "Influence" indicator, which also reflects the overall/total impact of an article in the research community at large, based on the underlying citation network (diachronically). | 0 | |
| popularity This indicator reflects the "current" impact/attention (the "hype") of an article in the research community at large, based on the underlying citation network. | Average | |
| influence This indicator reflects the overall/total impact of an article in the research community at large, based on the underlying citation network (diachronically). | Average | |
| impulse This indicator reflects the initial momentum of an article directly after its publication, based on the underlying citation network. | Average |
