publication . Article . 2008

"Der unvermeidliche Goethe" : Alexander Lernet-Holenias "Der wahre Werther" im Kontext der neueren "Werther"-Rezeption

Hamacher, Bernd;
Open Access German
  • Published: 24 Nov 2008
  • Country: Germany
Abstract
Lernet-Holenias „Wahrer Werther“ (1959) ist eine Montage: Der größte Teil des Buches besteht aus einer Wiedergabe der 1774 anonym erschienenen ersten Fassung von Goethes »Leiden des jungen Werthers«. Vorangestellt ist eine aus Heinrich Gloëls Buch »Goethes Wetzlarer Zeit« (1911) kompilierte Einleitung, in der die stofflich-biographischen Hintergründe des Romans aus Goethes Wetzlarer Zeit erzählt werden. Die Montage belegt, dass die Gegenreaktion gegen den „Werther“ auch in der Mitte des 20. Jahrhunderts noch nicht verstummt ist. Nicht Entgrenzung, nicht Formulierung eines Unbedingtheitswillens – wie im »Werther« –, nein: Ordnung und Begrenzung ist Lernet-Holenia...
Subjects
free text keywords: Johann Wolfgang von Goethe, ddc:830

1 Alexander Lernet-Holenia: Leutnant Burda (Retraite). Hörspiel nach der gleichnamigen Novelle von Ferdinand von Saar. Ms. o.J. [1966]. Österreichische Nationalbibliothek, Handschriften-, Autographen- und Nachlaß-Sammlung [im folgenden unter der Sigle ÖNB], Cod. Ser. n. 31 076, S. 2.

2 Entstehungs- und Sendedatum nach Peter Pott: Alexander Lernet-Holenia. Gestalt, dramatisches Werk und Bühnengeschichte. Wien/Stuttgart 1972, S. 132.

4 Alexander Lernet-Holenia: Entwurf zum Fernsehdialog aus dem Anlass meines 75. Geburtstags. Ms. 1972. ÖNB, Cod. ser. n. 31 108, S. 2.

5 Alexander Lernet-Holenia: Am Grabe Werthers. In: A.L.-H.: Das lyrische Gesamtwerk. Hrsg. v. Roman Roček. Wien/Darmstadt 1989, S. 420 f., hier S. 420. »Am Grabe Werthers« ist das erste Stück der Gedichtgruppe »Gedanken«, zu der außerdem »An Hyperions Hügel«, »An den Gräbern Gefallener« und »An der Ruhestätte zweier Liebenden« gehören. Die »Gedanken« sind also Gedanken über den Tod beim Anblick von Grabstätten.

9 Georg Lukács: ›Die Leiden des jungen Werther‹. Goethe und seine Zeit [1936]. Wieder in: Hans Peter Herrmann (Hrsg.): Goethes »Werther«. Kritik und Forschung. Darmstadt 1994, S. 39-57, hier S. 45.

11 Thomas Mann: Goethe's ›Werther‹. In: Ders.: Gesammelte Werke in dreizehn Bänden. Bd. IX: Reden und Aufsätze 1. Frankfurt a.M. 1974, S. 640-655, hier S. 653 f. Erstmals veröffentlicht wurde der Text 1941 in den USA, in Deutschland 1953.

12 Alexander Lernet-Holenia: Existenzfragen des Adels. Ms. 1959. ÖNB, Cod. ser. n. 31 107, S. 3. (Im folgenden zit. als: Lernet-Holenia 1959b.) Publiziert wurde der Vortrag nur als Privatdruck unter dem Titel: »Ansprache im Wiener St. Johanns-Club«.

14 Georg Jäger spricht von »Werthers ›patriarchalische[r] Idee‹«, seiner »Vorstellung einer allen Ständen gemeinsamen Lebenswelt, die den Produktions- und Reproduktionsbereich noch nicht trennt.« (Georg Jäger: Die Leiden des alten und neuen Werther. Kommentare, Abbildungen, Materialien zu Goethes »Leiden des jungen Werthers« und Plenzdorfs »Neuen Leiden des jungen W.« München/Wien 1984, S. 25.)

16 Zit. nach Klaus R. Scherpe: Werther und Wertherwirkung. Zum Syndrom bürgerlicher Gesellschaftsordnung im 18. Jahrhundert. 2. Aufl. Wiesbaden 1975, S. 74.

17 Ebd., S. 82.

18 Heinrich Gloël: Goethes Wetzlarer Zeit. Bilder aus der Reichskammergerichts- und Wertherstadt. Berlin 1911. - Offenbar fühlte sich keiner der zeitgenössischen Rezensenten be27 Verärgert mußte Lernet-Holenia anhand der enttäuschenden Verkaufszahlen feststellen, daß sich die Camouflage nicht auszahlte; vgl. Alexander Lernet-Holenia: Geht Goethe? Eine Frage im Nachhang zur Frankfurter Buchmesse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.1960, S. 32: »[…] das Vergnügen, daß auf den Druckbogen die Anmerkung stand: ›Lernet-Holenia: Werther‹, […] hatte ich damit zu erkaufen, daß die Buchhändler fanden, ein ›Werther‹ […] aus meiner Feder könnte[ ] nur fauler Zauber sein […]. Aber Goethe bleibt schließlich Goethe […], selbst wenn Lernet-Holenia auf dem Umschlag steht; und so hätte es denn, eigentlich, nicht passieren dürfen, daß man Goethe […] nicht erkannte, ja vielleicht sogar nicht einmal erkennen wollte… Denn da sich unsere Buchhändler auf den Standpunkt stellen, daß sie, wie vor Zeiten der deutsche Schulmeister die Schlacht von Kö- niggrätz gewonnen hat, immer noch im Begriff stünden, die Schlacht um das deutsche Geistesleben zu gewinnen, so hätten sie […] ihren größten Dichter nicht übersehen dürfen.« - Hans-Otto Mayer entgegnet auf Lernet-Holenias provozierende Frage, ob Goethe ›gehe‹, lakonisch: »Er geht - aber ohne Lernet-Holenia« (Geht Goethe? Zuschriften zu einem Klageruf. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.1960).

36 Alexander Lernet-Holenia: Hymne zum feierlichen Staatsakt Österreichs für Johann Wolfgang von Goethe am 28. August 1949. In: Lernet-Holenia 1989, S. 530-535, hier S. 530 f. [OpenAIRE]

37 Theodor Fontane: Werthers Leiden. Wieder in: Hans Peter Herrmann (Hrsg.): Goethes »Werther«. Kritik und Forschung. Darmstadt 1994. S. 21 f., hier S. 21.

40 Alexander Lernet-Holenia: Die Kunst des Plauderns. In: Die Bühne 1935. ÖNB, Cod. ser. n. 31 110, Nr. 4, S. 3.

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