Subventionierung von erneuerbarer Energie : eine industrieökonomische Analyse des strategischen Wettbewerbs in der Erneuerbaren-Energieindustrie bei unterschiedlichen staatlichen Regulierungen

Doctoral thesis German OPEN
Schaller, Markus (2006)
  • Subject: 330 | 330 Economics

In der vorliegenden Arbeit werden ausgewählte Probleme, die im Zusammenhang mit der Subventionierung von erneuerbarer Energien stehen, in finanztheoretischen und industrieökonomischen Modellen formal analysiert. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Subventionierung von Demonstrationsprojekten zur Erprobung neuer Technologien der erneuerbaren Energiegewinnung. Die Information, die durch die Erprobung über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Technologie generiert wird, ist ein Wertbestandteil solch eines Demonstrationsprojektes. Dieser Wertbestandteil wird in einem finanztheoretischen Modell als eine Realoption beschrieben. Ein Grund für die Subventionierung eines Demonstrationsprojektes liegt immer dann vor, wenn bei einer Investition in ein Demonstrationsprojekt nicht nur ausschließlich der Investor von der generierten Information profitiert. Die Technologie könnte sich in der Erprobung als so leistungsfähig herausstellen, dass der Preis für erneuerbare Energie nachhaltig gesenkt wird. In diesem Fall übt der Investor einen positiven externen Effekt in Form eines Consumer-Surplus auf die Konsumenten aus, der eine Subventionierung legitimiert. Auch könnte es sein, dass Produzenten die über eine identische oder zumindest eine ähnliche Technologie verfügen, von der durch das Demonstrationsprojekt generierten Information profitieren. Die Information die ein Investor in diesem Fall bei der Durchführung eines Demonstrationsprojektes über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der eigenen Technologie gewinnt, lässt nun zusätzlich Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ähnlicher Technologien anderer Produzenten zu. Ein Produzent der in diesem Fall das Demonstrationsprojekt durchführt, übt einen positiven externen Effekt in Form eines Informationsspillovers auf andere Produzenten mit identischer oder zumindest ähnlicher Technologie aus, der wiederum eine Subventionierung des Demonstrationsprojekt legitimiert. Der zweite Teil der Arbeit leistet einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie ein gutes Subventionssystem zur Förderung von erneuerbarer Energie ausgestaltet sein sollte. In diesem Teil werden die gängigen europäischen Subventionsgrundmodelle Einspeisevergütung sowie Quoten- und Ausschreibungsmodell miteinander verglichen. Hierbei untersuchen wir, welches dieser Subventionsregime die Mitnahmegewinne der Grünstromproduzenten unter einem gegebenen Produktionsniveau minimiert, bzw. welches Subventionsregime die Innovationsanreize der Grünstromproduzenten maximiert. Außerdem untersuchen wir, wie eine Kaptialsubventionierung, die zusätzlich zu einer Einspeisevergütung oder einem Quotenmodell vergeben wird, die Mitnahmegewinne und Innovationsanreize der Grünstromproduzenten beeinflusst. Aus einer formalen industrieökonomischen Wettbewerbsanalyse gewinnen wir eine Reihe von Ergebnissen, welche die aktuelle wirtschaftspolitische Diskussion bereichern. So zeigen wir beispielsweise, dass eine zusätzliche Kapitalsubventionierung bei fallenden Skalenerträgen des Kapitals, die Mitnahmegewinne der Grünstromproduzenten senkt. Gleichzeitig werden jedoch auch die Innovationsanreize der Grünstromproduzenten gemindert, weil mit den Mitnahmegewinnen auch Gewinnzuwächse, welche die Grünstromproduzenten in Folge einer Innovation realisieren, gesenkt werden. Dieser Zielkonflikt zwischen Minimierung der Mitnahmegewinne und Maximierung der Innovationsanreize ist eine zentrale Erkenntnis des zweiten Teils der Arbeit, die in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder aufgegriffen wird. Einige unserer Ergebnisse sind überraschend, weil sie gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Standpunkten widersprechen. So kommen wir durch unser Modell zu der Erkenntnis, dass unter der Einspeisevergütung die Grünstromproduzenten aufgrund einer schwächeren Verhandlungsposition geringere Mitnahmegewinne realisieren als unter dem Ausschreibungsmodell. Auch zeigen wir, dass bei fallenden Skalenerträgen unter der Einspeisevergütung höhere Innovationsanreize generiert werden, als unter Quoten- und Ausschreibungsmodellen.
Share - Bookmark