Die Rolle der Zytokine in der Pathophysiologie der extrakorporalen Zirkulation

Doctoral thesis German OPEN
Sroka, Jan (2002)
  • Publisher: FB 11 - Medizin. Medizin
  • Subject: Medical sciences Medicine
    • ddc: ddc:610

Koronarchirurgische Bypassoperationen unter Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine stellen auch heutzutage trotz erweiterter technischer Möglichkeiten noch immer einen schwerwiegenden Eingriff in die menschliche Physiologie dar. Veränderungen von Entzündungsmediatoren (wie beispielsweise Zytokinen oder Leukozytenadhäsionsmolekülen) lassen sich praktisch bei jedem Patienten feststellen, bei denen das Verfahren der extrakorporalen Zirkulation angewandt wurde. In der vorliegenden Studie wurde das Verhalten der Zytokine und Leukozytenadhäsionsmoleküle in der perioperativen Phase untersucht. Das Ausmaß ihrer Konzentrationsveränderungen ist mitentscheidend für das Auftreten von postoperativen Komplikationen. Eine Vielzahl von Studien dokumentieren eine Reduktion der Immunantwort als Folge der extrakorporalen Zirkulation. Besonders den Zytokinen und den Leukozytenadhäsionsmolekülen wird eine tragende Rolle für die Auslösung dieser pathophysiologischen Vorgänge zugeschrieben. Vor allem die Lunge stellt im Zusammenhang mit Operationen unter Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine ein hoch vulnerables Organ dar. Somit ergab sich die Fragestellung, ob die untersuchten Zytokine als verantwortliche Faktoren für die aufgetretene pulmonale Insuffizienz in der komplikationsbehafteten Gruppe zu bewerten sind. In dieser Untersuchung wurde eine Auswahl dieser pro- und antiinflammatorischen Botenstoffe untersucht (IL-2, IL-6, IL-8, IL-10, GM-CSF, TGF-beta1 sowie ICAM-1). Die Ermittlung der Zytokine und Leukozytenadhäsionsmoleküle erfolgte aus präoperativ (vor in Betriebnahme der Herz-Lungen-Maschine) und postoperativ (4 Stunden nach Beendigung der Herz-Lungen-Maschine sowie den darauf folgenden vier postoperativen Tagen) gesammelten Blutproben der operierten Patienten. Die quantitative Messung der Konzentrationen erfolgte mittels ELISA-Tests. Insgesamt wurden 40 Patienten, die sich einer elektiven koronarchirurgischen Bypassoperation unterzogen, untersucht. Davon wurden diejenigen Patienten (28) zu einer Gruppe zusammengefasst, welche die Operation ohne manifeste Komplikationen überstanden. In die zweite Gruppe wurden die Patienten (12) aufgenommen, welche in der postoperativen Phase eine pulmonale Dysfunktion im Rahmen eines SIRS entwickelten. Aus dieser Gruppe verstarben als Folge des Eingriffes 6 Patienten (50%) unter dem klinischen Bild eines Multiorganversagens. Beim Vergleich der beiden Gruppen fielen in der komplikationsbehafteten Gruppe, mit Ausnahme von IL-2, signifikant höhere Konzentrationsspiegel der untersuchten Zytokine bzw. Leukozytenadhäsionsmoleküle auf. In Verbindung mit den erhaltenen Ergebnissen ist es möglich, die untersuchten Zytokine bzw. deren Konzentrationsveränderungen durchaus als verantwortliche Größen für die Auslösung einer manifesten pulmonalen Insuffizienz im Rahmen einer systemischen inflammatorischen Reaktion zu bezeichnen. Bedingt durch den signifikant längeren Zeitraum unter Einfluss der Herz-Lungen-Maschine (141,58 +/- 48,46 Minuten versus 105,71 +/- 21,04 Minuten) für die Patienten aus der komplikationsbehafteten Gruppe, lassen die Ergebnisse der vorliegenden Studie den Schluss zu, die extrakorporale Zirkulation als einen, wenn nicht den Hauptverursacher der entstandenen Komplikationen zu benennen. Ein tieferes Verständnis des Verhaltens und der Rolle von Adhäsionsmolekülen und Zytokinen im Rahmen des kardiopulmonalen Bypasses könnte eine effektive Intervention im Falle eines inflammatorischen Prozesses zulassen.
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