Einsatzmöglichkeiten eines Verriegelungsnagelsystems für die Katze inklusive der Bestimmung der Durchleuchtungszeiten bei der Implantation

Doctoral thesis German OPEN
Fiedler, Angelika Marion (2016)
  • Publisher: FB 10 - Veterinärmedizin. Veterinärmedizin
  • Subject: Fraktur | Verriegelungsnagel | Katze | Durchleuchtung | Strahlenschutz | fracture | interlocking nail | cat | fluoroscopy | radiation protection | Agriculture
    • ddc: ddc:630

Im prospektiven Studienteil wurden Anwendbarkeit, Operationszeiten, Durchleuchtungseinsatz, Heilungsverlauf und Komplikationen bei der Versorgung von 25 Humerus-, Femur- und Tibiafrakturen der Katze mit dem MarMed Verriegelungsnagel(VN)-System untersucht. Die Röntgenbeurteilung fand durch 2 Beurteiler unabhängig voneinander statt. Zwischen den Beurteilern und den Wiederholungen der Knochenmessungen bestand eine sehr gute Übereinstimmung. Für Achsenabweichungen, Implantatsitz und Heilungsphase zu allen Zeitpunkten sowie für die Rotation und die Heilung 4 Wochen post operationem (p. op.) konnte eine mittlere bis sehr gute Korrelation zwischen den Beurteilern festgestellt werden. Der Einfluss verschiedener Parameter auf Lahmheit, Durchleuchtung, Röntgenscores und/oder klinische Gesamtergebnisse wurde statistisch ausgewertet. Multitraumapatienten zeigten ein signifikant schlechteres klinisches Gesamtergebnis 8 Wochen p. op. Bei versetzten Schrauben wurden ein schlechterer Röntgenscore 8 Wochen p. op. bei Beurteiler 2, signifikant längere Nagelimplantationszeiten und häufigere Durchleuchtungskontrollen festgestellt. Dies erhöhte die Strahlenbelastung und das Risiko von Infektionen. Der Grad einer offenen Fraktur wirkte sich langfristig nicht negativ aus, so dass der VN für die Versorgung offener Frakturen geeignet ist. Die Anzahl der Schrauben beeinflusste die Röntgenscores signifikant. Bei nur 1 Schraube pro Fragment erhöht sich die Gefahr von Mal-Union, Implantatverbiegung und fehlerhaftem Implantatsitz. Daher sollten, wann immer möglich, 2 Schrauben gesetzt werden. Bei geringerer Markhöhlenfüllung zeigten sich signifikant höhere Röntgenscores 8 Wochen p. op. Der zunehmende Einsatz der mit hoher Strahlenbelastung einhergehenden Durchleuchtung in der Veterinärmedizin macht Untersuchungen dazu und Maßnahmen zu ihrer Reduzierung unabdingbar. Zu diesem Zweck wurde in dieser Studie erfolgreich die Durchleuchtung nur zur Kontrolle des Schraubensitzes nach der Implantation eingesetzt. Alle Personen bis auf den Bediener des C-Bogens verließen den Raum vor der Durchleuchtung. Durchschnittlich wurde 2,5 mal mit einer Gesamtzeit von lediglich 20,7 sek, mit 53,44 kV und 0,722 mA durchleuchtet. Dieses Vorgehen und die geringe Körpergröße des Patienten reduzierten die Streustrahlung, die Anzahl der exponierten Personen sowie die Durchleuchtungszeit und maximierten den Abstand zwischen Röntgenröhre und Personal. Die Heilungseinschätzung von Beurteiler 1 wurde signifikant durch die Winquist-Hansen-Einstufung beeinflusst. Ein höherer Zersplitterungsgrad mit größerer Weichteilschädigung kann Heilungsverzögerungen bedingen. Andere Faktoren zeigten keine signifikante Auswirkung. Mögliche Ursachen sind Schonung der umgebenden Weichteile bei der Verriegelungsnagelung, kurze OP-Zeit (durchschnittlich 60,7 min), Knochengeometrie und geringe Körpermasse der Katze sowie der Einsatz von Titanimplantaten. Die häufigste intraoperative Komplikation war das Versetzen von Schrauben bei 52 % der Patienten. Es fanden sich in dieser Studie keine &#x93;major complications&#x94; und kein Implantat musste entfernt werden. Besitzertelefonbefragungen für ein Langzeitergebnis ergaben bei 86,7 % der Patienten eine Lahmheitsfreiheit und bei 100 % der Besitzer eine gute Zufriedenheit mit dem Ergebnis. Im retrospektiven Teil wurden Röntgenbilder von 107 Humerus-, Femur- und Tibiafrakturen bei Katzen ausgemessen. Untersucht werden sollte, wie viele Frakturen mit einem VN unter Berücksichtigung der Schraubenanzahl (1 oder 2 je Fragment) und zwei unterschiedlicher Schrauben-Fraktur-Abstände (10 mm und 5 mm) versorgt werden können und welche Nagellängen benötigt werden. Dazu wurden die Markhöhlennutzlänge, die -weite und die Länge des distalen und proximalen Fragments gemessen. Die Tibia war mit 112,79 mm der längste Knochen mit der engsten Markhöhle. Humerus und Tibia frakturierten meist im distalen, das Femur im mittleren Drittel. Die meisten Frakturen konnten mit einem VN zwischen 80 und 120 mm Nutzlänge versorgt werden. Je geringer die Anzahl der Schrauben und der Schrauben-Fraktur-Abstand, umso mehr Osteosynthesen sind mit VN möglich. Eine Reduktion des Schrauben-Fraktur-Abstands von 10 auf 5 mm ermöglicht eine Versorgung von 17,8 % mehr Frakturen. Im prospektiven Teil zeigte sich kein negativer Effekt auf die Heilung oder die Gesamtergebnisse durch einen Schrauben-Fraktur-Abstand von unter 10 mm. Der VN ist mit niedriger Komplikationsrate, hoher Erfolgsrate, früher Mobilität des Patienten und hoher Besitzerzufriedenheit gut geeignet für die Humerus-, Femur-, und Tibiafrakturversorgung bei Katzen. Die Methode ist kostengünstiger als Platten und weniger pflegeintensiv als der Fix ex. Das korrekte Setzen der Schrauben stellt den anspruchsvollsten OP-Schritt dar. Mit einem entsprechenden Vorgehen besteht eine sehr geringe Strahlenbelastung für das OP-Personal. Bei einem minimalen Schrauben-Fraktur-Abstand von 5 mm können maximal 67,3% der Frakturen versorgt werden. The purpose of the prospective part of this study was to evaluate the clinical application, durations of surgery and fluoroscopy, radiation exposure, healing, and complications associated with the application of the MarMed Interlocking Nail (ILN) System for humeral, femoral, and tibial fracture repair in 25 cats. Radiological assessment was performed by two independent examiners. The inter-examiner and intra-examiner agreement of bone measurements was high. A moderate to very good correlation was observed between the examiners with respect to angular deformity, implant position, and healing phase at all times, as well as to rotation and healing status 4 weeks after surgery. A statistical analysis was performed of the influence of different parameters on lameness, fluoroscopy, radiological score, and/or clinical result. Multiple trauma was associated with a significantly worse clinical result 8 weeks after surgery. Misplaced screws were associated with poorer radiological scores for Examiner 2 at week 8, longer times for nail implantation, and higher numbers of fluoroscopic examinations. This increased the risk of infections and radiation exposure. Open fracture grade had no long term negative effect; thus, ILN is suitable for the repair of open fractures. The number of screws significantly influenced the radiological score. As the use of 1 screw is more likely to cause mal union, implant bending, and implant mal-positioning, 2 screws should be used whenever possible. A lack of medullary canal filling was associated with poorer radiological scores at week 8 after surgery. The increasing use of fluoroscopy with high radiation exposure in veterinary medicine has made it necessary to investigate radiation exposure risks and device procedures to reduce those risks. For these purposes fluoroscopy was successfully used only to check the screw position after implantation in this study. All operating room personnel, except the person controlling the C-arm, left the room prior to fluoroscopy. On average, we needed 2.5 fluoroscopic examinations for each patient, with a mean duration of only 20.7 seconds at 53.44 kV and 0.722 mA. This procedure and the small size of the object reduced scatter radiation, the number of people exposed to the radiation, and the duration of fluoroscopy and maximised the distance of the personnel from the x-ray beam. Healing time was influenced only by the Whinquist-Hansen grade in the assessments of Examiner 1. Delayed healing of the more-comminuted fractures might have been caused by greater soft tissue trauma. The other factors had no significant negative effect on healing. Reasons could be the protection of soft tissues with ILN implantation, short operative time (mean duration 60.7 min), the bone geometry and small body mass of cats, and the use of titanium implants. The main intraoperative complication was misplacement of screws in 52 % of the patients. In this study, no major complications occured, and no implant needed to be removed. Long term telephonic follow-up revealed that 86.7 % of the patients had no lameness and 100 % of the owners were well satisfied with the outcomes. In the retrospective part of the study radiographs of 107 fractures of the humerus, femur, or tibia of cats were measured. The number of fractures that could be repaired with an ILN, considering the number of screws (1 or 2 per main fragment) and two different screw-to-fracture distances (10 mm and 5 mm), as well as the nail lengths needed, was of interest. Therefore, the effective length of the medullary cavity, medullary canal width, and proximal and distal fragment lengths were measured. The tibia, with a mean length of 112.79 mm, was the longest bone and had the narrowest medullary canal. The humerus and tibia broke mostly at the distal third, whereas the middle third of the femur was the most susceptible to fracture. Most fractures could be repaired with an ILN between 80 and 120 mm long. The lower the number of screws and the shorter screw-to-fracture distance, the more osteosynthesis with ILN were possible. A reduction in screw-to-fracture distance from 10 to 5 mm increased the percentage of treatable fractures by 17.8 %. In our prospective study, screw-to-fracture distance of <10 mm had no adverse effect on outcome or healing. Interlocking nailing is suitable for fracture repair of the humerus, femur, and tibia in cats. It is associated with a low complication rate, high success rate, early patient mobility, and high owner satisfaction. It is less expensive than plate osteosynthesis and easier to maintain than an external fixator. Correct screw placement has to be considered as the most challenging step of the ILN implantation. If the proper fluoroscopic procedure is executed, the radiation exposure of operating room personnel is small. With a minimum screw-to-fracture distance of 5 mm, the maximum portion of fractures of the 3 bones that can be repaired with an ILN is 67.3 %.
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