Komplexitätsbeherrschung in der wertschöpfungspartnerschaftsübergreifenden Produktspezifikationserstellung bei unvollkommenen Informationen durch Simplifizierungsregeln

Doctoral thesis German OPEN
Ludwig, Ralf (2005)
  • Related identifiers: doi: 10.18419/opus-5462
  • Subject: Wertschöpfungskette , Produktentwicklung , Erfolgsfaktor , Regelsatz , Empirie , Komplexitätstheorie , Komplexität , Informationsverdichtung | 330 | Simplifizierung | value-adding partnership , product development , complexity control , rules , simplification

Probleme/Forschungsfragen: Ein stetiger Komplexitätsanstieg des Produktes und der Produktentwicklungsumgebung erschweren in Wertschöpfungspartnerschaften das Erreichen einer gemeinsamen Win-Win-Situation. Bei der frühen Erarbeitung der Produktauslegung oder im Rahmen der Produktspezifikationserstellung ist durch die hohe Komplexität von Entwicklungsaufgabe und -umgebung eine umfassende gesamtheitliche Berücksichtigung der wirtschaftlichen Erfolgsdeterminanten nur sehr begrenzt möglich. Ein Mehrwert für die Wertschöpfungspartnerschaft kann nur geschaffen werden, wenn bei der Produktgestaltung eine Win-Win-Situation für alle beteiligten Partner gesichert werden kann. Unvollkommene Informationen, bedingt durch Unternehmensgrenzen oder zur Zeit der Produktspezifikation noch nicht feststehende Wertschöpfungspartner, erschweren dies. Im Rahmen dieser Arbeit wird vor diesem Hintergrund ein Vorschlag erarbeitet und getestet, inwieweit eine geeignete Rahmenbedingung für das soziale System der Produktauslegung einen Beitrag zum Erzielen eines wirtschaftlich und technisch erfolgreichen Entwicklungsresultates bieten kann. Dadurch soll gleichsam der Erfolg der Zusammenarbeit von Wertschöpfungspartnerschaften erhöht werden. Ziel: Zur Komplexitätsbeherrschung einer Produktspezifikationserstellung in Wertschöpfungspartnerschaften sind Rahmenbedingungen in Form von Simplifizierungsregeln zu erarbeiten, deren Einhaltung den Spezifikationsersteller systematisch beanreizen, zu einer wirtschaftlich und technisch erfolgreichen Produktauslegung zu gelangen. Aus wissenschaftlicher Perspektive wird somit das Ziel verfolgt, bei der Herleitung von geeigneten Rahmenbedingungen einer Wertschöpfungspartnerschaft bestehende, meist getrennt betrachtete Wirkungszusammenhänge des Produktentwicklungsmanagements in Verbindung zueinander zu setzen und im Gesamten zu erproben. Neue Pfade für eine erfolgversprechende Zusammenarbeit in Wertschöpfungspartnerschaften können so aufgezeigt werden. Die vorliegende Arbeit soll dabei greifbare Handlungsleitlinien zur Verfügung stellen, die den einzelnen Wertschöpfungspartner nicht mit allgemein gehaltenen Prinzipien alleine lässt und deren Umsetzung im operativen Alltag dem Anwender überlässt. Der betrieblichen Praxis soll ein konkreter Gestaltungsvorschlag gegeben werden, welcher dem Praktiker durch ein wissenschaftlich hergeleitetes Fundament und einer empirisch ausgeführten Überprüfung der Wirkungszusammenhänge einen möglichst hohen Wahrheitswert bietet. Forschungsmethode: Das Untersuchungsdesign dieses Forschungsvorhabens ist explanativ und damit hypothesenprüfend ausgelegt. Die empirische Untersuchung wurde als experimentelle Laboruntersuchung mit qualitativer Datenerfassung gestaltet. Vierundzwanzig Produktentwickler mussten dabei eine fiktive Spezifikationsaufgabe ausführen. Um Rückschlüsse auf die Gültigkeit der als Unterschiedshypothesen definierten Arbeitshypothesen ziehen zu können, wurde ein Mehrgruppenplan mit einer Kontroll- und zwei Experimentalgruppen konzipiert. Das Ergebnis dieser drei Untersuchungsgruppen in Form von abgearbeiteten Spezifikationsaufgaben wurde dann mit Hilfe einer strukturierenden Inhaltsanalyse auf die Übereinstimmung mit den theoretischen Ausführungen überprüft. Ergebnisse: Mit der Simplifizierung in der Produktspezifikation konnte eine Handlungsweise identifiziert und empirisch bestätigt werden, welche ein indirektes Optimieren der in Forschung und Entwicklung geltenden wirtschaftlichen Erfolgsdeterminanten „Zeit“, „Qualität“ und „Kosten“ zur Folge hat. Die entsprechend deduzierten Wirkungsfelder und Arbeitshypothesen einer Simplifizierung konnten durch die empirische Untersuchung nicht falsifiziert werden. Jedes dieser Wirkungsfelder wurde mit Textteilen einer Produktspezifikation belegt, welche in Bezug auf die Erfolgsdeterminanten einen signifikanten Unterschied zwischen Kontroll- und Experimentalgruppe ausweisen. Als Folge dessen wird zur Bildung von Rahmenbedingungen in Wertschöpfungspartnerschaften vorgeschlagen, bei einer durch unvollkommene Information geprägten Entwicklungsumgebung die einfachste Beschreibung eines Produktes zu wählen. Durch die positiven empirischen Ergebnisse der Wirksamkeit der Simplifizierung auf die Erfolgsdeterminanten kann auch den konstruktiv entworfenen Simplifizierungsregeln eine Wirksamkeit zugesprochen werden. Durch die Vorgabe von Simplifizierungsregeln für die an der Produktspezifikation beteiligten Wertschöpfungspartner kann ein positiver wirtschaftlicher Einfluss prognostiziert werden. Eine Win-Win-Situation ist wahrscheinlicher für sämtliche entlang der Wertkette beteiligte Partner.
Share - Bookmark