Linksalternatives Leben: Wohngemeinschaften in Özdamars Seltsame Sterne starren zur Erde und ‘Ein unzeitgemäßer Üsküdarer’

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Schonfield, Ernest (2016)

Dieser Artikel konzentriert sich auf die Darstellung der Wohn- und Arbeitsgemeinschaften in Ost- und Westberlin in Özdamars Seltsame Sterne starren zur Erde, ergänzt mit einer Besprechung der Istanbuler Wohngemeinschaft in dem Prosa-Fragment ‘Ein unzeitgemäßer Üsküdarer’. Die Wohngemeinschaft wird als paradigmatischer Ort der antiautoritären Reformbewegungen der siebziger Jahre betrachtet, als Versuch, die linksalternativen Ideen der Studentenbewegung in die Praxis umzusetzen. Programmatische Formulierungen dieser antiautoritären Lebensversuche befinden sich sowohl beim Dissidenten Rudolf Bahro als auch beim Dichter Ece Ayhan Çağlar. Untersucht werden diese Lebensversuche in Westberlin, in Ostberlin (an der Volksbühne und bei Gabriele Gysi) und in der Türkei bei Ece Ayhan. In Seltsame Sterne und ‘Ein unzeitgemäßer Üsküdarer’ werden Andersartigkeit, Vielfältigkeit und Nebeneinanderwohnen zum poetologischen Programm gestaltet. In diesen Texten hängen Thema und literarische Form miteinander zusammen: Der Topos der Wohngemeinschaft entspricht der Mehrstimmigkeit der Form. Durch die Erzähltechnik der Montage bietet Özdamar eine inklusive Ästhetik des Nebeneinanders.
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